GLOSSAE CASSELLANAE. 393
• VII.
Ohne Zweifel ist in dem letzten Capitel das Deutsche-dieGrundlage und die Übersetzung ist in lateinischer Sprache ab-gefasst, welche dem Fremdling das Deutsche verständlich machensollte, im Gegensatz zu der Exhortatio und anderen Denkmälernjener Zeit, wo das Lateinische den Urtext bildet. Der Verfasserhat bei sehr schwacher Kenntnis der gelehrten Sprache sichnur fehlerhaft darin auszudrücken gewusst, und es zeigt blossUnwissenheit, wenn man findet transiunt: quid fuit necessitas?multum: necessitas est tua gratia habere: sapienti für sapientes:plus habent stultitia quam sapientia: de temet ipsum: de meipsum; nicht etwa sind es Schreibfehler. Als solche kann manetwa pergite für pergis I 18 und sapienti für sapientia H 13betrachten.
Wie ist aber die Sprache der vorangehenden Abschnittezu beurtheilen? Eccard überschreibt sie »Glossarium romanotheotiscum«: Diez sagt (124), sie seien »merkwürdig wegenvieler, ganz romanischer oder wenigstens stark romanisierterWörter.« Man findet darin erstlich Wörter, die noch ganzdie lateinische Form haben, aber der lateinischen Volksspracheangehören (bei Diez 1, S. 7—20 ein schätzbares Verzeichnis),der eigentlichen Quelle des Romanischen; ich habe in den An-merkungen nachgewiesen dass sie späterhin mit romanischerForm erscheinen. Sodann Wörter, die man insoweit romani-siert nennen kann als dem Lateinischen eine romanische Endi-gung beigelegt ist. Ferner einige romanische, denen lateinischeEndigung scheint zugefügt zu sein; vergl. die Anmerkungenzu putelli E 18. fidelli F 6 und pulli F 16. Endlich solche,die als schon völlig umgebildete romanische müssen betrachtetwerden. In den Anmerkungen wird man Beweise dieser Unter-scheidungen finden. Der Schluss ist, dass wir in den CasselerGlossen die Sprache erkennen müssen, wie sie bei den Wälschenim siebenten Jahrhundert bestand, als sie eben in der Um-bildung begriffen war und das Lateinische noch stärker hervor-trat ; sie zeigt sich in ihren Formen nach allen Seitenschwankend. Von diesem Gesichtspunkt aus halte ich mich