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3 (1883)
Seite
391
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GLOSSAE CASSELLANAE. 391

wir lauter lateinische Wörter, kein romanisches. Wenn ichdiese Erscheinungen sämmtlich zusammenfasse, so kommt mirdie Vermuthung annehmlich vor, dass der, von welchem dieCasseler Glossen zuletzt aufgestellt sind, dieses sechste Capitelaus anderen Quellen entlehnte, aus einer anderen romanischenGlossensammlung, und zwar aus einer abermals älteren, wo diewälsche Sprache der lateinischen noch um einige Grade näherstand, dagegen aus lateinisch-deutschen Glossen die Wörter fürKrankhafte, die denn auch in den Sanctgaller Glossen zum Vor-schein kommen, dort aber, da sie mehr enthalten als die Casseler,aus einer vollständigeren Quelle geschöpft sein müssen.

VI.

Völlig von den vorhergehenden Capiteln verschieden istInhalt wie Art und Weise der Auffassung des letzten, dasauch mit einem grossen Buchstaben beginnt. Es werden darinnicht vereinzelte, nach ihrem* Inhalt geordnete Wörter nebeneinander gestellt, sondern einigermassen zusammenhängendeSätze ausgedrückt. Ist eine Vermuthung erlaubt, so scheinenmir darin Fragen und Antworten zu liegen, wie sie bei derAnkunft eines Fremdlings stattfinden. Möglich dass derselbeWälsche gemeint ist, der die Glossen der ersten Capitel ver-anlasste; und da er durch sein eigenthümliches Wesen dasdeutsche Gefühl mochte verletzt haben, so ward dieser Schlusshinzugefügt, in welchem die Baiern auf Kosten der Wälschenerhoben werden. Dass er nicht der Verfasser der deutschen 446Glossen in den vorangehenden Abschnitten war, folgt schon 22aus der vorhin besprochenen sichtlichen Abweichung der deut-schen Sprachformen. Ich merke an dass noch im dreizehntenJahrhundert Wolfram die Bewohner von Valois für thörichterals die Baiern erklärt, Parzival 121, 710 ein pris den wirBeier tragen, muoz ich von Wäleisen sagen: die sint toerscherdenne beiersch her, unt doch bi manlicher wer. Neidhart sa^t(52, 7 Ben.) er ist ein teerscher Beier, und Türheini im Wilhelm(Bl. 204° pfälz. Handsch.) nennt sie die irren Beier. Wacker-nagel (Haupts Zeitschrift 7, S. 255) meint, ein Schalk aus Baiernhabe, um sich und den Seinen Genugthuung zu verschaffen,