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3 (1883)
Seite
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364 DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS.

kenntnis des Verbrechers, der sich freiwillig angibt und des-halb begnadigt wird, als die Rückkehr der Schuldigen, ihre201 Erscheinung auf dem öffentlichen Platz und ihr unvorsichtigesGeschwätz. Diese Abweichung von dem altfranzösischen Ge-dicht ist entscheidend, weil sie mit der arabischen Erzählungdes Alfonsus zusammenstimmt. Ich vermuthe, dass Boccaccioaus einer noch unbekannten Quelle schöpfte, vielleicht aus einemanderen romanischen Gedicht.

Die sechs folgenden Erzählungen, zum Theil älter als dasfranzösische Gedicht, sind sämmtlich auf orientalischem Bodenentsprungen, zeigen Verschiedenheit lebendiger Überlieferungund sind unabhängig von einander, so nah sie sich wieder ineinzelnen Zügen stehen. Bei Thomas Cantimpratensis könnteman zweifeln und geneigt sein, den Alfonsus als Quelle zu be-trachten : er konnte philosophiae deditus genannt werden, undder Inhalt stimmt auch am meisten mit der Disciplina clericalisüberein: dass der eine Freund als Christ auftritt und der Heideam Ende getauft wird, erklärt sich bei einem Geistlichen alseine sehr natürliche Änderung. Indessen bei genauerer Be-trachtung muss man diese Vermuthung aufgeben. Thomashatte keinen Grund, den Alfonsus zu verläugnen, spricht dabeivon mündlicher Überlieferung und setzt die Geschichte in nichtferne Zeit, während der Spanier vor länger als einem Jahr-hundert gelebt hatte. Entschieden aber wird dieser als Quelledurch einzelne Züge zurückgewiesen, die nicht mit ihm, sondernmit anderen stimmen. Es wird bei Thomas nichts davon ge-sagt, dass der Christ, nachdem er die Jungfrau erblickt hat,aus Liebe erkrankt und der Heide, um ihn am Leben zu er-halten, seine Geliebte hingibt, vielmehr zeigt er ihm die Jung-frau, wie er ihm seine Schätze gezeigt hat und fordert ihn auf,sich eine daraus zu wählen. Dagegen weiss Alfonsus nichtsdavon, dass der Grossmüthige wegen des Verlustes seiner Ge-liebten in Trauer versinkt, wie Naz Rayyar, und dass ihn dieSeinigen vertreiben, wird nur im altfranzösischen Gedicht vonAthis erzählt. Der Heide kommt bei Tag an die Thüre desFreundes, die ihm nicht geöffnet wird, wie es auch dem Attaf,Naz Rayyar und dem Abderrahman begegnet: ganz anders ist