DIE SAGE VON ATHIS UND PKOPHILIAS. 359
zu ihrem Vater Bezzas, und nachdem vier Monate verlaufensind (früher erlaubt das Gesetz einer Geschiedenen nicht, sichwieder zu verheirathen), trifft Naz Rayyar die nöthigen An-stalten zur Vermählung des Prinzen mit ihr, entfernt sich aberan dem Tag, wo die Hochzeit soll gefeiert werden. Als dieEhe geschlossen ist, hört der Prinz, wie die Frau spricht: »Ichdanke dir, o mein Gott, Naz Rayyar ist gestraft«. Sie musssich darüber erklären, und der Prinz erfährt jetzt die Gross-muth seines Freundes. Er will darin nicht zurückstehen undentschliesst sich, seine Frau nicht zu berühren. Er kann denAufenthaltsort des Naz Rayyar nicht erfahren und kehrt mitseiner Gemahlin nach Korassan zurück, wo ihm sein Vater dasReich übergibt.
Als Naz Rayyar wieder nach Babylon gekommen ist, über-lässt er sich ganz seinem Gram, vernachlässigt seine Angelegen-heiten und geräth in grosse Armuth. Er entschliesst sich, nachKorassan zu gehen und Hilfe bei seinem Freund, dem König,zu suchen. Unter grossen Beschwerden langt er dort an. Vonallen Reichthümern ist ihm nichts geblieben als ein kostbarerDemantring, den ihm der Prinz in Babylon geschenkt hatte. 197Diesen übergibt er an dem Thor des Palastes einem Diener,damit er ihn dein Könige bringe und ihm melde, dass er seineBefehle erwarte. Der König erblickt von dem Fenster herabseinen Freund in dem traurigsten Zustand und befiehlt, dassihm seine Schafherde anvertraut werde, die er auf die Weideführen und von der er nach einem Jahr Rechenschaft gebensolle. »Ist das der Dank,« ruft Naz Rayyar aus, »für alles,was ich gethan habe! Doch mein Geschick ist so hart, dassich gehorchen muss. Ich will lieber auf den Bergen wohnenbei den Thieren, als unter den Menschen.«
Er treibt die Herde aus, aber Krankheiten und die wildenThiere rauben sie hinweg: als er nach einem Jahr zu dem Pa-last zurückkommt, bringt er kein einziges Schaf mit. Der Kö-nig lässt ihm eine zweite Herde übergeben, aber den unglück-lichen Naz Rayyar trifft gleiches Missgeschick. Er erhält einedritte Herde, und diesmal geht alles nach Wunsch: die Herdevermehrt sich um das Dreifache. A 1 "* er damit vor dem Palast