352 DIE SAGE VON ATHIS UND PEOPHILIAS.
Thäter befindet sich unter der Menge, er bedenkt, dass Gottein gerechter sei, der kein Verbrechen ungeahndet lasse: damiter dereinst nicht härter bestraft werde, fasst er den Entschluss,sich selbst anzugeben und den Unschuldigen zu erlösen; dadurchhofft er sein Verbrechen zu büssen. Er wird also gebunden undder andere freigegeben. Die Sache kommt vor den König, deralle drei von dem Verbrechen, dessen sie sich schuldig erklärthaben, freispricht. Hierauf wird der Ägypter von seinem Freundenach Haus geführt, der ihm volle Gemeinschaft der Güter anbietet,wenn er bei ihm bleiben, oder die Hälfte seines Vermögens, wenner nach Ägypten zurückkehren will. Er wählt das Letztere.Die Erzählung des Alfonsus ist dann in andere Werkeübergegangen, die Friedr. Willi. Val. Schmidt in den Beiträgenzur Geschichte der romantischen Poesie (Berlin 1818) und inden Anmerkungen zu seiner Ausgabe der Disciplina clericalis(Berlin 1827) S. 97 nachgewiesen hat. Ein altfranzösisches Ge-dicht aus dem 13. Jahrhundert, le castoiement (Unterweisung)d'un pere a son fils, hat ausser anderen Stücken auch seinzweites Capitel mit der Überschrift les deux bons amis loiaux(Meon fabliaux et contes 2, p. 52—63) dorther genommen, undohne an dem Inhalt etwas zu ändern, die Geschichte in Reimegebracht. Herolt gibt in der 120. seiner im Jahr 1418 ge-schriebenen Predigten (sermones de sanctis et de tempore percirculum anni) einen treuen Auszug aus dem Alfonsus, den erals seine Quelle nennt. Auch die Gesta Romanorum, deren191 Alter noch nicht ermittelt ist, enthalten Cap. 171 unsere Sage;wobei zu bemerken ist, dass die letzten Capitel dieser Samm-lung von Cap. 152 an nicht von dem ersten Sammler herzu-rühren, sondern Zusätze eines späteren zu enthalten scheinen.Auch hier wird Alfonsus als Quelle genannt, und die Erzählungweicht nur darin ab, dass die beiden Freunde nicht Kaufleutesind, sondern milites genannt werden, und daher keine Handels-verbindung zwischen beiden stattfindet und sie sich nur, 'manweiss nicht, aus welchem Grunde, Boten zuschicken. Eine nichtganz klare Stelle ist ausführlicher und besser erzählt: bei Al-fonsus heisst es von dem Ägypter, als er in Baldach anlangt,pudor autem obstabat ne amici domum adiret, ne forte incognitus