Druckschrift 
3 (1883)
Seite
351
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DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS. 351

darin ertheilt, werden durch Beispiele erläutert, die, wie erselbst sagt, aus arabischen Quellen geschöpft sind, und unterdiesen findet sich (C. 3) auch eine hierhergehörige Erzählung.

Zwei Kaufleute, wovon der eine in Ägypten, der andere inBaldach (Bagdad) lebt, haben sich zwar nie gesehen, aber durchUnterhändler kennen gelernt. Der von Baldach reist in Handels-geschäften nach Ägypten und wird dort von seinem Freund aufsBeste empfangen. Er nimmt ihn in sein Haus auf und zeigtihm sogar seine Frauen. Nach einer Woche erkrankt derSyrier: die Ärzte erklären, er sei von einer leidenschaftlichenLiebe ergriffen. Der Ägypter lässt seine Sängerinnen undSklavinnen kommen, aber keine darunter gefällt dem Gast. Alsaber eine edle Jungfrau, die der Kaufmann auferzogen und zuseiner Frau bestimmt hatte, vor den Kranken geführt wird,ruft er aus: »Von dieser kommt mein Tod und kommt meinLeben.« Alsbald gibt sie ihm sein Freund, und der Glücklichenimmt sie mit sich nach Baldach.

In der Folge verliert der Ägypter sein ganzes Vermögenund geräth in die grösste Armuth. Er entschliesst sich, beiseinem Freunde in Baldach Hilfe zu suchen. Als er dort inder Nacht anlangt, scheut er sich das Haus des Freundes zubetreten, weil man ihn als einen Unbekannten wegjagen werde.Er begibt sich in einen Tempel und will da übernachten. Wäh-190rend ihn sorgenvolle Gedanken erfüllen, dringen zwei Männerherein, wovon einer den anderen tödtet und dann entflieht. DerLärm lockt viele Menschen herbei, die bei ihm nach dem Mörderforschen. Der Unglückliche, der seiner Armuth durch einen frei-willigen Tod ein Ende machen will, gibt sich für den Thäter aus,wird in das Gefängnis gebracht und am nächsten Morgen vor denBichter geführt, der ihn zum Kreuzestod verurtheilt. Auf demWeg dahin erblickt ihn sein Freund und erkennt ihn. Indem ererwägt, was dieser in Ägypten für ihn gethan hat und dass erihm, wenn er todt sei, nichts mehr vergelten könne, entschliesst ^er sich, für ihn zu sterben. Er ruft also mit lauter Stimme:»Warum habt ihr einen Unschuldigen verurtheilt? Ich habeden Mann umgebracht!« Er wird ergriffen und gebunden ansKreuz geführt, sein Freund aber losgelassen. Der wirkliche