Druckschrift 
3 (1883)
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

350 DIE SAGE VON ATHIS UND PROPHILIAS.

gereimten Auszug gegeben (1, 2, 81"), sie auch späterhin imJahr 1546 ohne wesentliche Änderung des Inhalts dramatischbearbeitet (3,2, 4 a ). Er nennt selbst den Johannes Bocatiusund Philippus Berebaldus (Beroaldus) als seine Quelle; wahr-scheinlich benutzte er Steinhöwels Übersetzung des Decameronevom Jahr 1519. Etwa in die Mitte dieses Jahrhunderts fällteine dramatische Bearbeitung von Martin Montanus, von zweienRömern Tito Quinto Fuluio und Gisippo ein newes lustigs undsehr schönes spiel aus der Römer Cronica gezogen (Strassburgo. J.). Boccaccio liegt zu Grund, wenn auch nicht unmittelbar.

3. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts veranstalteteDschemaleddin Mohammed Al-auni für den Wesir NisamulmulkSchemsseddin in persischer Sprache eine aus mehr als vierzehn-hundert Stücken bestehende Sammlung von Geschichten, diedrei Mal ins Türkische übersetzt ward. Aus einer dieser Über-setzungen theilt Hammer im Rosenöl 2, S. 262 unter anderenauch folgende Erzählung mit.

189 Ein Fürst aus Balch reist nach Bagdad und wallfahrtet

von da nach Mekka. Der Wind hebt den Schleier einer Frauen-sänfte aus der Karawane auf, und der Anblick der Schönheitraubt dem Fürsten Besinnung und Ruhe, deren Namen undStand er nicht entdecken kann.

In Bagdad miethet er sich bei einem Spezereihändler ein'der ihn nach der Ursache seiner Anwesenheit und seiner Schwer-muth fragt. Er macht eine umständliche Beschreibung der Sänfteund der Schönheit, worin der Spezereihändler seine eigene Frauerkennt. Wiewohl er sie zärtlich liebt, beschliesst er doch mitheiterer Grossmuth der Gastfreundschaft ein Opfer zu bringen.Er lässt sich, ohne dass der Fürst etwas davon vermuthet, vonihr scheiden und überlässt sie dem Freund. Durch einen Zu-fall wird der Grund der Scheidung entdeckt, und der Fürst,nicht weniger grossmüthig, gibt dem Wirth die Frau mit reichenGeschenken zurück.

4. Petrus Alfonsi, ein spanischer Jude, schrieb, nachdemer im Jahr 1106 getauft war, im vierundvierzigsten Jahr seinesAlters die Disciplina clericalis, die etwa hundert Jahre ältersein mag als das altfranzösische Gedicht. Die Lehren, die er