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3 (1883)
Seite
272
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272 ATHIS UND PROPHILIAS.

wendig das aussagen und vielleicht nur eine allgemeine Ver-sicherung von der Glaubwürdigkeit der Dichtung enthalten:woher er weiss, dass die Quelle lateinisch war, die ein Gedicht,aber auch eine prosaische Erzählung gewesen sein konnte, dar-über ist noch Auskunft nöthig. Gesetzt ein lateinisches Werkgieng voran, so fragt sich, in welcher Zeit dies entstanden sei.Ich trenne hier beide Inhalt und Geist nach so verschiedeneTheile und rede von dem zweiten zuerst, den ich für den jünge-ren halte.

Was darin auffällt, ist die Verschiedenheit der äusserenVerhältnisse. Von einem Beherrscher Athens ist in dem erstenTheil keine Rede: in dem zweiten treten zwei Herzoge auf,einer von Athen, der andere von Corinth, beide in voller Aus-übung ihrer Macht, aber in eine Fehde mit einander verwickelt.Der Gedanke liegt nahe, in diesem Verhältnis einen geschicht-lichen Zustand abgespiegelt zu sehen: in der That finden wirHerrschaften und Herzogthümer in Griechenland, die nach demSturz der Comnenen im Jahre 1204 von den lateinischen Kaisernbei Einführung der Lehnsverfassung errichtet waren; man hatMünzen von diesen Fürsten. Athen empfieng im Jahre 1205seinen Eroberer, einen burgundischen Edelmann, zum Herrn(Du Cange, Histoire de Constantinople sous les empereurs fran-cois 1 p. 30), Corinth etwas später 1210 (das. 2, p. 12). Dasssie in unserem Gedicht Herzoge heissen, darauf ist weiter keinGewicht zu legen, denn dies war schon früher die allgemeinereBenennung für mindermächtige, eine höhere Gewalt anerkennendeHerrscher und wird in Gedichten angewendet, die Sagen ausdem griechischen oder römischen Alterthum behandeln. Otfried(IV, 20, 2. 9) drückt damit die Würde des Pilatus aus, undim Heljand werden sogar Könige damit bezeichnet. Veldekenennt (12455) den Äneas »Herzog« und lässt (5054) einenherzöge von Prenestine auftreten: ja bei Herbort (11527. 12683.12915. 14792) (* vgl. Konrads trojan. Krieg 23670. 23731*) findenwir den Menestheus schon als Herzog von Athen (* BoccaccioDecam. 2, 7 ein herzog von Athen*); indessen könnte auchHerbort von den geschichtlichen Herzogen etwas gewusst haben.Die Hauptsache bleibt, dass im Athis Griechenland von ein-