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3 (1883)
Seite
271
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ATHIS UND PROPHILIAS. 271

weiss Prophilias den übertriebenen Schmerz des Freundes, derverzweifelnd entfliehen will, zu beschwichtigen (Cap. 9)! Mitdesto weniger Gefühl, doch mit griechischer Schlauheit wirddie Trauer der Eltern und Geschwister dadurch gedämpft, dassman vor den Getödteten und Verwundeten erst die reiche Beutehertragen lässt, von welcher ihren Antheil zu nehmen die edlenHelden nicht verschmähen. Auch die Erinnerung an seine Elternpresst plötzlich dem Athis Thränen aus (Cap. 10). Die Liebedagegen wird als sinnliche Begierde geschildert, die ohne Be-friedigung in körperliche Krankheit übergeht. Doch muss manzugestehen, dass der erste Theil seiner künstlerischen Anlagewegen einer dichterischen Ausfüllung fähig war: die herbeige-führten Zustände konnten lebendig geschildert und Einzelheitenglänzend hervorgehoben werden. Wir müssen warten, bis dasfranzösische Gedicht gedruckt ist, da der dürftige Auszug keinUrtheil erlaubt; was von dem deutschen erhalten ist, zeigt inmanchen Stellen Wärme und Zartheit der Gedanken.

Wir fragen noch nach dem Ursprung des Werks. Derfranzösische Dichter sagt selbst (nach Roquefort in der Bio-graphie universelle 1, p. 534—535), er habe sein Gedicht auseiner lateinischen Quelle geschöpft: denn so muss man wohl»übersetzt« verstehen. Auch enthalten die Schlusszeilen (ab-gedruckt in der Histoire litteraire 15, p. 125 und 193, hernachin den von Michel herausgegebenen Chroniques anglo-nor-mands 3, p. IX) die Bemerkung d'Athenes faut (finit) ici l'estoire,que li escriz tesmoigne a voire (temoigne etre la verite). ObRoquefort jene Angabe auf diese Worte stützt, die nicht noth- 395

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hier noch eine Stelle aus den Nibelungen erklären: wenn es von der kampf-bereiten Brünhild heisst 427, 1 an ir vil wize arme si die ermel want(* Brünhild legt vorher ein seidenes Waffenhemd an 408. gewafent man dievant, sam ob sie wolde striten um alliu küneges lant «), so soll damit gesagtwerden, sie habe die weiten, hängenden Ermel zuvor um die Arme gewunden,damit sie dadurch im Kampfe nicht behindert Averde; dann erst ergreift sieden Schild und hebt den Sper. Gottfried nennt im Tristan 15740 den Ermelwintschaffen, weil er sich drehen und wenden lässt; vgl. Altdeutsche Blätter 1,S. 352. *Ilelbling 14, 7—9.* [J. Grimm verweist auf Myth. 1217.]