260 ATHIS UND PROPHILIAS.
platz zurück, die Getödteten begraben zu lassen. Sie vergiessenThränen, als sie das Unglück übersehen, wovon sie die Ursachesind. Athis zumal kann es sich nicht verzeihen und will ent-fliehen: aber die Freunde, die seines Beistandes bedürfen, fragenihn, was aus Gayete werden solle. Prophilias vereinigt sichmit den Bittenden, und es gelingt, ihn zu beruhigen. Athismacht jetzt den Vorschlag, die Todten und Verwundeten nachRom bringen und die reiche Beute voran tragen zu lassen,damit ihr Anblick die Trauer derjenigen massige, die einen Sohnoder Bruder verloren. Dieser Rath wird befolgt, man führt dieGefangenen im Triumph in die Stadt, und die gewonnenen38G Schätze ersticken die Klagen. Athis behält für sich das Zelt42 des Königs, und Prophilias gibt der Gayete Kleider und Edel-steine.C* D 10. Prachtvoll wird die Vermählung der Liebenden gefeiert;
Prophilias beschenkt beide reichlich, und die Feste dauern achtTage lang. Athis gedenkt jetzt seiner Eltern und vergiesstThränen, weil sie sein Glück nicht theilen. Prophilias schlägtvor, in Begleitung der beiden Frauen dorthin zu reisen, undEvas gibt seine Einwilligung dazu. Sie ziehen mit einem grossenGefolge aus, und nach einer Überfahrt von acht Tagen landensie in dem Hafen von Athen. Savis wird durch einen Botenvon der Ankunft seines Sohnes benachrichtigt. Er war ausKummer, weil er keine Nachricht von Athis erhalten hatte, er-krankt und schon seit einem Jahr bettlägrig. Erfreut durchdie Botschaft beruft er seine Verwandten, damit sie den ge-liebten Sohn in seinem Hause empfangen. Von Frau und Ge-folge begleitet macht sich Savis auf den Weg nach dem Hafen;der Bote eilt voraus und verkündigt seine Ankunft. Athis gehtseinem Vater entgegen: sie umarmen sich tausend Mal. Diesonst dem Athis alles versagt hatten, zeigen jetzt die grössteZuvorkommenheit; jeder will ihn aufnehmen, doch Savis lässtihn nicht von sich.
11. Zu dieser Zeit herrscht in Athen der Herzog Theseus,ein Nachkomme des altberühmten gleichnamigen Königs; seinSohn heisst Pyrithous. Bei der Nachricht von der Ankunft derbeiden Freunde statten sie ihnen einen Besuch ab und werden