252 ATHIS UND PROPHILIAS.
weil er zwei verschiedene Gedichte voraussetzt, nimmt auchzwei verschiedene Dichter an: nach ihm soll das in der erstenHandschrift enthaltene Werk dem Alexander von Bernay zuge-hören, das in der zweiten einem anderen, der schlechthin denNamen Alexander führte. Jenes Zeugnis, das die Überschriftder dritten Handschrift gewährt, ist beachtenswerth, aber nicht379 entscheidend, nicht einmal gewichtig, denn es scheint von einem35 Unwissenden oder, wie die Orthographie anzeigt, späteren Ab-schreiber herzurühren, für den es wenigstens kein günstigesVorurtheil erweckt, dass er über den. Namen der einen Haupt-person des Gedichtes ungewiss ist. Paulin Paris führt nocheinen anderen Grund an, er meint, weil Alexander von Bernayden Stoff seiner Gedichte aus dem griechischen Alterthum ent-lehnt habe, so dürfe man annehmen, dass er auch Verfasser desAthis sei: ein schwacher Grund, und, was noch schlimmer ist,er beruht auf lauter Voraussetzungen. Denn dass Alexandervon Bernay an dem Gedicht Lamberts li Cors von Alexanderdem Grossen wirklichen Antheil gehabt habe, ist erst strengerzu erweisen: die Stelle, woraus man es schliesst, bleibt zweifel-haft, wie Paulin Paris (p. 97. 98) selbst anerkennt, und sprichtnur von eingemischten Zeilen: dawider streitet aber die grosseVerschiedenheit beider Gedichte; jenes (die Ausgabe vor Miche-lant steht bevor) ist in langzeiligen Strophen, Athis in kurzenReimpaaren abgefasst, und schon in den wenigen Stellen, diedavon bekannt sind, wird man eine ganz andere Darstellungs-weise finden. Wenn aber Paulin Paris (p. 99. 195) weiter be-hauptet, Athis sei eine Fortsetzung eines Gedichtes von demtrojanischen Krieg, das Beneois de Sainte-More in der Mittedes zwölften Jahrhunderts verfasst hat, so ist das nichts als einflüchtiger Einfall, den niemand haben kann, der den Inhalt vonAthis nur einigermassen kennt; die Belagerung von Athen hatnicht den geringsten Zusammenhang mit der Belagerung vonTroja. Und was wird als Stütze des Einfalls angeführt? Derzufällige Umstand, dass in der Handschrift 6987 Athis auf dasGedicht von Beneois folgt. Verwirft man auch das Zeugnisjener Überschrift nicht völlig, so wird man doch erst bessereÜberzeugung erlangen, wenn ein verlorenes Gedicht Alexanders