ATHIS UND PROPHILIAS. 245
ausführlich, begnügt sich aber auch nicht mit blossen Andeu-tungen. Dass der Dichter ein so schönes Gleichgewicht in denverschiedenen Mitteln der Darstellung zu bewahren und alle mitGeschick anzuwenden wusste, müssen wir als eine natürlicheBegabung betrachten, die ihn weit über Eilhart, der wohl seinZeitgenoss war, erhebt.
Noch einer anderen Einwirkung französischer Kunst willich gedenken. Schon einige Male hat man auf die nicht seltenin Anwendung gebrachte kurze Wechselrede aufmerksam ge-macht (Lachm. z. Iwein 3637), die, ohne die Sprechenden an-zuzeigen, wenige Worte, manchmal nur ein einziges verwendet,wenn sie eine aufgeregte Stimmung ausdrücken und Schlag aufSchlag erwidern will. Frage und Antwort stehen wohl in zweiZeilen gegenüber, aber scharf wird diese Form erst ausgeprägt,wenn sie in einer einzigen Zeile zusammengedrängt werden, diebisweilen auch noch die weitere Frage aufnimmt. An derrechten Stelle angebracht erscheint dieses Mittel natürlich undwirksam, aber es kann leicht durch Missbrauch in Manier aus-arten. Dem langsam hingleitenden Fluss des Volksepos wardiese heftige Rede nicht angemessen: sie zeigt sich daher nichtin den zu der deutschen Heldensage gehörigen Liedern, auchnicht in den Auffassungen der Klage und Dietleibs (in Diete-richs Flucht kann man ein Paar einzeln stehende Zeilen 4849.4855 kaum hierher rechnen, noch weniger im Ortnit Seite 46):ferner nicht in der geschwätzigen und bequemen, ohnehinäusserlich rohen Spielmannspoesie: endlich nicht in den älterenerzählenden Gedichten, deren ich vorhin gedacht habe; damalswar die jugendliche Kunst noch zu unschuldig und langte miteinfachen Mitteln aus. Haupt bemerkt (Zeitschrift 3, S. 160), 374bei Eilhart wie bei Veldeke sei dies neue Manier gewesen; bei 30beiden ist sie so häufig, dass es genügt, einige Beispiele auszu-heben, Tristant 585 — 590. 1635 — 1640. 7462 — 7465. Äneide606 — 616. 9628 — 9659. Aber auch der Dichter des GrafenRudolf hat sie sich angeeignet (9, 3—5. 10, 3. 15. 8): dagegender Glicheser und Lambrecht kennen sie nicht; der Dichter desServatius, der aus einer lateinischen Quelle schöpfte, fügt, wenner einmal (3358—3360) Frage und Antwort in einzelnen Zeilen