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3 (1883)
Seite
244
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244 ATHIS UND PROPHILIAS.

Schreibung der Helena in Konrads troj. Krieg 19784 20176*);unnützen Abschweifungen ergeben sie sich alle. Einen Wider-schein der älteren, von französischem Einfluss noch unberührtenDarstellung finden wir in Wernhers Maria, Konrads Rolandund in der Kaiserchronik: reiner im Pilatus, von dem wir leidernur ein Bruchstück besitzen, und im Karlmeinet: am reinstenin der zwar legendenartig gewendeten, aber dabei menschlichschönen Dichtung von Crescentia. * Die Erzählung von Colla-tinus in der Kaiserchronik (unter Tiberius) ist auch einfach undgut. * Hier geht die Erzählung bei dem innigsten Gefühl mitruhigen Schritten ihrem Ziele entgegen (*vgl. Lachmanns Wol-fram XXIV*), ohne bei Nebendingen sich aufzuhalten oder ankünstliche Wendungen und Reizmittel zu denken. AndereWerke geistlicher Dichter aus dieser Zeit, denen Kunst undmeistens poetischer Sinn fehlt, kommen hier nicht in Betracht:nur des Verfassers des Servatius, der noch in das zwölfte Jahr-hundert zu gehören scheint, will ich Erwähnung thun. Er wargebildet und verständig, aber zugleich geistlos und steifstellig:wenn er in eine endlose Beschreibung der bischöflichen Klei-dung ausschweift (483 605), so kann er dies Veldekes Äneideabgesehen haben, wo es nicht eigene Geschmacklosigkeit ist.373 Wie aber müssen wir den Dichter d,es Grafen Rudolf beur-29 theilen, der kein Geistlicher war? Sprachformen und unvoll-kommener Reim, abgesehen von anderen Gründen, weisen ihnin die Siebenziger des zwölften Jahrhunderts, er konnte also ausVeldekes Äneide noch nichts lernen: und doch finden wir beiihm, wiewohl gemässigt, schon jene Neigung zum Ausmalen derBeiwerke: man sehe die Beschreibung von dem Gemach derGräfin (2, 110) oder die noch umständlichere von dem Reit-zeug des Rosses (8, 114). Auch bei der Innigkeit des Ge-fühls weilt der Dichter in dem Gespräch der Liebenden (17,114), oder wenn er von dem Schmerz Rudolfs bei der LeicheBonifaits redet (28, 18 29). Ist das Einfluss einer französischenQuelle, gegen die doch manches spricht, oder ist es die freieAneignung der schon eingedrungenen Kunst? Ich bin nochimmer geneigt, das Letztere zu glauben, denn auch die Erzäh-lung des Geschichtlichen hält das rechte Mass, ist nicht zu