ATHIS UND PROPHILIAS. 243
allgemeine Richtung war, lernen wir aus anderen, ursprünglichfranzösischen Gedichten, aus Eilharts Tristant, LambrechtsAlexander und Zezinghofens Lanzelet, wo die Darstellung derEreignisse noch ihr Recht behauptet und dem Gefühlsleben keinsolcher Raum vergönnt wird; freilich kommen auch bei demletztgenannten ungebührlich lange Beschreibungen vor. Dem 372Volksepos blieben seiner Natur nach solche Überschreitungen 28des natürlichen Masses fremd, und wie in dem einheimischenNibelungelied und in der Gudrun, so zeigt sich auch in demfranzösischen Rolandsliede keine Spur davon. Der eigentlicheGewinn aus der Berührung mit fremder Kunst, die echte Ver-mittelung des äusseren und inneren Lebens, fiel erst Wolframund Gottfried zu, als der dichterische Geist selbständig ward.*Wilh. 425, 25 — 426, 30 Beschreibung der Rüstung. Doch hatWolfram das Verzeichnis der Edelsteine im Parzival 791, 1—30beibehalten. Wie schön mässigt er sich in der Beschreibungder Alize Wilh. 154, 9 — 155, 17. Schöne Beschreibung derIsolde in Gottfr. Tristan 10888—10909. * Hartmann ist, wenig-stens da, wo man vergleichen kann, im Erek und Iwein vonseiner Quelle abhängig geblieben und hat die Anordnung desGanzen wie die Entwickelung des Einzelnen beibehalten; diefreie, schöpferische Kraft jener beiden war ihm nicht verliehen.Wie hätte er sonst die unerträgliche, das Gedicht wie ein Aus-wuchs entstellende Beschreibung von Enitens Pferd (7285—7765),die eine ähnliche in Veldekes Äneide (5211 ■— 5255) an Um-ständlichkeit weit überbietet, dulden können? Schon vorherhatte er bei anderen Veranlassungen (1425—1452. 1539—1577)sich der Richtung hingegeben, aber doch etwas enthaltsamergezeigt. Dabei darf man nur nicht vergessen, dass sein eigen-thümlicher Geist das französische Vorbild erst mit warmemLeben erfüllt und ihm eine deutsche Seele eingehaucht hat.Absichtlich rede ich nur von den drei grossen Dichtern, die imBeginn des dreizehnten Jahrhunderts nahe neben einander auf-standen: die übrigen wuchsen aus ihnen hervor («gerade die Be-schreibung von Enitens Pferd ahmt Fleck nach, Sommer zu2743*), und ihre Kunst zeigt keine neue Entwickelung, wie ver-schieden auch sonst bei ihnen die geistige Anlage war (*Be-
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