220 ATHIS UND PROPHILIAS.
im Jahr ]376 zu Cassel ausgestellte Urkunde (Rommels Ge-schichte von Hessen Bd 2, Anmerkungen S. 151 — 152) nurgeringe Einmischung plattdeutscher Wörter und Formen: inden Briefen des Landgrafen Philipp des Grossmüthigen aus demsechzehnten Jahrhundert (Rommel Bd 3) sind sie verschwunden.Die Fortdauer des Niederdeutschen in der Mundart des ganzenHessenlandes hat Vilmar in der schönen Probe eines Wörter-buchs (Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte 4,S. 49—105) nachgewiesen. Nahe bei Herbort ist in sprach-licher Hinsicht der Dichter des Athis zu stellen: ich werdein der Folge die Übereinstimmung beider hervorheben, wennauch für jeden etwas Besonderes zurückbleibt, und ich gründedarauf die Vermuthung, dass letzterer in Herborts Nachbar-schaft, nur weiter östlich, etwa in Hessen zu Haus gewesen sei.Wiederum hat Lambrechts Sprache mit beiden nicht wenigesgemein. Dass da, wo eine Mundart Einfluss ausübt, mehr Alter-thümliches sich erhält, lässt sich auch hier bemerken.
Aber nicht bloss durch Hessen, auch durch das Eichsfeld,Thüringen, Franken und Meisen, auf der anderen Seite wenig-854 stens bis nach Mainz hinab zogen sich die Fäden der nieder-10 deutschen Sprache 1 ), und zwar noch in dem ganzen dreizehntenJahrhundert, bis sie in der Übermacht des Hochdeutschenimmer unscheinbarer wurden: in den Mundarten dieser Ländersind sie noch heute sichtbar, wenn auch in beständiger Ab-nahme begriffen: denn dem Naturgesetze gemäss zieht sich diebesiegte Sprache langsam aber unaufhaltsam in immer engereGrenzen zurück. Man braucht, um sich zu überzeugen, nurdie Werke der Dichter genauer zu betrachten, von denen wirwissen, dass sie dort ihre Heimath hatten. Der Dichter desPilatus fand seine Quelle in Mainz und wird die Sprache desMittelrheins überliefern: Wernher von Elmendorf die der Um-gegend von Heiligenstadt, und wäre uns das Werk Albrechtsvon Halberstadt erhalten, so würden wir noch eine andereFärbung dieser Mundart kennen: einiges gewährt schon dievon Haupt (Zeitschrift 3, S. 289 — 292) hergestellte Vorrede.
*) * Grammatik l 2 , 447 folg. *