ATHIS UND PROPIIILIAS. . 217
lied (Haupts Zeitschrift 2, S. 193—199), die noch ungedrucktenMarienlieder einer hannoverschen Handschrift, die geographischeAbhandlung in Rudolfs Weltchronik (nach Vilmar S. 34) undder von Sommer (Haupts Zeitschrift 3, S. 219 — 224) bekanntgemachte Leich; auch Gottfried Hagens Reimchronik mag hiergenannt werden; in spätere Zeit fallen Adolf von Nassau undWilhelm von Holland. Bekanntlich musste sich auch GottfriedsTristan im vierzehnten Jahrhundert eine Umschreibung in dasNiederrheinische gefallen lassen. Der Rosengarten C scheintin die Nähe des Mittelrheins zu gehören, denn in ihm herrschtdas Oberdeutsche vor. Die Dichtkunst ward also in jenenGegenden mit Geschick und Regsamkeit gepflegt, wenn wirauch, den Karlmeinet vielleicht (denn wir kennen ihn nur ausBruchstücken) ausgenommen, kein durch ungewöhnliche Treff-lichkeit hervorragendes Werk dort entdecken.
In dem eigentlichen Niedersachsen steht Berthold von Hollein der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts allein. Über seinenWerth lässt sich nicht wohl urtheilen, da nur Bruchstücke vonseinen Werken gedruckt sind und eben erst eine immer nochnicht vollständige Handschrift von Crane sich gefunden hat(Haupts Zeitschrift 5, S. 368); seine Sprache und Darstellungist ohne Ausbildung, und die Gedanken erheben sich nicht überdas Gewöhnliche. Sollte noch eins und das andere dortheroder aus Westfalen zum Vorschein kommen, so wird es dochimmer vereinzelt stehen und schwerlich von bedeutendem Ge-halt sein; was wir sonst noch kennen, die von Bruns heraus-gegebenen, wenig umfangreichen Stücke, selbst wenn sie ur-sprünglich plattdeutsch gedichtet sind: die beiden Erzählungenin Haupts Zeitschrift 5, S. 385—412 und das in Wigands west-fälischem Archiv (2, 1, S. 110 —111) abgedruckte Bruchstückzeigt keine höhere Begabung, nicht einmal äussere Kunstfertig-keit. Etwas besser sind die im Jahr 1378, also wohl ziemlichmit den eben genannten zu gleicher Zeit abgefassten FabelnGerhards von Minden (Wiggerts Scherflein 2, S. 28 — 70).Wenn die Niedersachsen aus dem gebildeteren Hochdeutsch über-setzten, so deutet das schon die Unfruchtbarkeit des eigenenBodens an: auch sind nur die Minnelieder der Möserschen