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3 (1883)
Seite
215
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ATHIS UND PROPHILIAS. 215

abschliessende Eigenthümlichkeit dieser Zeit nicht gelten, da sie,wie ich hernach darthun werde, auch in dem folgendem Jahr-hundert noch fortdauerte und nur bei dem wachsenden Überge-wicht des Hochdeutschen mehr in den Hintergrund trat. In demGedicht vom Grafen Rudolf *vergl. S. 11* zeigt sie sich insofernam auffallendsten, als die Kürzungen, die das metrische Gesetz ver-langt, einen oberdeutschen Dichter zu verrathen scheinen, wäh-rend das durchblickende, nicht selten durch den Reim gesicherteNiederdeutsche einer solchen Voraussetzung widerspricht. Woetwa der Abschreiber eingewirkt hat, wie z. B. in der trierischenHandschrift von Konrads Silvester, da lässt sich das einge-drungene leicht ausscheiden: in jenen Gedichten aber machtsich das Niederdeutsche als ein natürlicher, nicht auszuweisenderBestandtheil der Sprache geltend. Man hat verschiedentlichversucht, die befremdliche Erscheinung zu erklären: in Hoff-manns Fundgruben (1, S. 206. 207) wird eine Ansicht aufge-stellt, wonach man darin zwar die Trübung einer ursprünglichen 350Reinheit, zugleich aber auch eine gewisse höhere Ausbildung, 6nämlich eine aus der Verschmelzung beider Mundarten vorher-gegangene Hofsprache 1 ) erblicken soll. Koberstein hat dieseAnsicht im Grundriss § 62 und zumal in der neusten Auflage(1845) noch weiter auszuführen gesucht. Wäre sie richtig, sowürde sich einige Stätigkeit dieser Hofsprache zeigen müssen,die wir nicht finden: sie schwankt vielmehr in den verschieden-artigsten Abstufungen; und wo sollte sie der ältere Hartmann,ein Geistlicher, der in seinem Credo keine Spur höfischer Ge-sinnung verräth, sich angeeignet haben? Warum entdeckt mansie nicht bei den ältesten Liederdichtern, bei Heinrich von Rucke,dem Kürenberger, Friedrich von Hansen, Spervogel, Dietmar

man mitteldeutsch nennt. Denn gerade dieses ist auch die Eigenthümlich-keit seiner Sprache, alamannische Vocalfülle und fränkische, niederrheinischeWeichheit der Consonanten. Wackernagel über Otfried von Weissenburg S. 211.Gemischt fränkische Sprachdenkmäler Mones Quellen S. 269. 270. »

[Die neuen Zusätze aus Wilhelm Grimms Handexemplar stehen zwischenzwei Sternchen. Gestrichenes ist natürlich getilgt.]

') [Diese Unterstreichungen rühren hier z. Th. von Jacob Grimm her.]* Hochschwäbische Mundart in Hugs Martina. Wackernagel Baseler Hand-schriften S. 47. »