DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 193
im Jahr 574, von dorther nach Constantinopel gebracht worden;das Abgarusbild kam aber erst im zehnten Jahrhundert dorthin.Cedrenus erzählt ferner, der Kaiser Heraclius habe im zwölftenJahr seiner Regierung, also im Jahr 626, ein nicht von Menschen-händen gemachtes Bild in dem Krieg gegen die Perser mitsich geführt, aber auch, ehe er zur Regierung gelangt sei (imJahr 610), schon im Kampf gegen Phocas ein solches Bild mitsich getragen. Gretser, der Cap. 12—15 von dem camulischenBild und den damit bewirkten Wundern handelt, vermuthet,Heraclius habe es vorher von Constantinopel mit sich genommen.Es findet sich noch Nachricht von einem dritten Bilde. Ana-stasius (f 886) erzählt in den Lebensbeschreibungen der Päpste(1, S. 198), dass Stephan III im Jahr 752 ein Bildnis Christi,Acheropita (so lesen, nach einer Mittheilung von Prof. Rösteil,die drei besten Handschriften: in anderen steht nach Baroniusannal. 1, p. 677 acheropoeta, acheropsita, acherosita, antheropsita,archeropsita: lauter Entstellungen aus ä^sLpoTrotyjTOc) genannt,feierlich in die Kirche der Mutter Gottes getragen habe.Gretser meint (cap. 17), es sei ein Veronicabild gewesen, alleiner irrt. Das Bild ist noch vorhanden und zeigt eine ganze,sieben Palmen hohe Gestalt; ursprünglich auf Holz gemalt,ward hernach auf übergezogener Leinwand das Gesicht er-neuert (vgl. Fiorillo Geschichte der zeichnenden Künste 1, S. 46.47).Wenn die ältesten Denkmäler den Heiland ohne Bart involler jugendlicher Schönheit darstellten, so war das dem Geistder altgriechischen Kunst, der darin noch fortdauerte, gemäss;auf diese Weise konnte das Idealische, wonach sie strebte, amleichtesten erreicht werden. In den Bildnissen der folgendenZeit war durch den Bart 1 ) das Besondere und Menschlicheschon angedeutet, und um dies zu heiligen, ward der über-natürliche Ursprung angenommen, zuerst wohl im Allgemeinen, 170
x ) Es gibt nur wenige Ausnahmen, wo er fehlt. Auf einem alten Reliquien-küstchen von Erz im Vatikan (Platner in der Beschreibung von Rom 2 b , S. 380)ist Christus am Kreuz bartlos, dagegen auf dem giebelförmigen Deckel, ge-krönt auf der Feste des Himmels sitzend, mit dem Bart abgebildet. Bartlosist er auch in zwei Bildern aus Handschriften des neunten Jahrhunderts, wieich oben (S. 159 [= S. 182]) bemerkt habe.
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