DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 191
Leidenden, etwas zur Seite geneigt, der Mund ein wenig ge-öffnet. Ziemlich auf gleiche Weise wie A. Dürer fasste Lucasvon Leiden und Lucas Kranach den Typus auf. Als die Kunstdas Gefühl für das wahrhaft Ideale verlor, gieng er unter. DasSchwanken* und Umherirren, das der späteren Zeit eigen ist,muss ich anderen zu schildern überlassen. Die bedeutenderenMaler der Gegenwart, die den Werth der Überlieferung fühlen,haben sich mit Recht dem Typus wieder genähert.
Noch eine allgemeine Bemerkung habe ich zuzufügen. Derbyzantinische Typus hat sich zugleich mit der christlichenReligion verbreitet. Man findet ihn noch heute bei denGriechen, Syrern, Kopten (Munter gibt darüber Nachwei-sungen 2, S. 8), ohne Zweifel auch bei Slaven. Manchmal magdie eigenthümliche Gesichtsform der Völker eingewirkt haben,wie die Christusbilder der Armenier, ganz von den byzan-tinischen abweichend, einen einheimischen Ausdruck habensollen. Zeigt doch schon die Stelle bei Johann von Damascusdass es Bilder gab, welche die bräunlich gelbe Haut der Syrerzeigten, während die Abgarusbijder, die ich kenne, von weisserzarter Gesichtsfarbe sind. Ein kleines aus Spanien herüber-gekommenes Medaillon, das ich besitze, und in welchem Re-liquien aufbewahrt sind, zeigt auf Goldgrund von Glas einChristusbild, das ganz schwarz ist, aber genau den byzantinischenTypus beibehalten hat, obgleich es nicht sehr alt zu sein scheint.In diesem Sinne verstehe ich was schon Photius (f 892) sagt(epist. 64, vgl. Jablonski p. 391—392), dass die Bilder bei denRömern, Indiern, Griechen und Äthiopiern verschieden undalle einander unähnlich seien, weil diese sämmtlich behaupten,Christus sei in der Gestalt ihres Volkes erschienen.
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Jetzt erst bin ich im Stande das Verhältnis der Bilder zuder Legende näher zu erörtern.
Wir haben gesehen, dass schon im zweiten Jahrhundertder Heiland in Kunstwerken dargestellt wurde, wenn auchnicht häufig: und ohne Zweifel haben bereits vorhandene BilderVeranlassung zu der Legende gegeben, nicht sind sie, umge-