190 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
(I, No. 119) von Aurel. Luini (f 1593), selbst in dem bekanntenvon Guido Reni (f 1642), das die Gallerie zu Dresden bewahrt.Die gesuchte Schönheit, der Ausdruck einer schwächlichen Hin-gebung leistet keinen Ersatz für das Grossartige, das in demTypus liegt. Was die deutschen und niederländischen Maler be-trifft, so habe ich schon oben (S. 151 [172]) bei der Abgarussagebemerkt, dass Eyk und Hemling in besonderen BildnissenChristi dem byzantinischen Vorbild treu geblieben sind. Merkens-werth dass ein anderes seelenvolles Gemälde von Hemling(in der Münchener Gallerie) den menschlich leidenden Heilandmit der Dornenkrone darstellt, wo das Typische nur wenigsichtbar ist, während es der auferstandene Christus in einemanderen Gemälde von ihm (in der boissereeschen Sammlung)wieder deutlich erkennen lässt. Von Hugo van der Goes,einem Schüler Eyks, der in dem letzten Viertel des fünfzehntenJahrhunderts malte, befinden sich in dem Berliner Museumzwei Christusbilder (II, No. 32 und 41) von der sorgfältigstenAusführung. Auf dem einen blickt noch der Typus durch,aber der ideale Ausdruck ist völlig verschwunden, und in dengerötheten Augen und den blau unterlaufenen Gesichtszügenkommt eine abschreckende Naturwahrheit zum Vorschein. Indem anderen ist der Typus völlig aufgegeben: man kann dasgequälte Antlitz und die thränenden Augen nicht ohne Wider-streben betrachten. Albrecht Dürer, von dem schon bei denVeronicabildern (oben S. 143 [163]) die Rede war, ist beiden Rich-tungen gefolgt. In den Holzschnitten, die wenige und harte167 Umrisse verlangen, hat er vorzugsweise den Typus beibehalten,aber den herben und ungefälligen: in den Kupferstichen suchter mehr gemeine Naturwahrheit, die oft unschön ist. Dagegenein Eccehomo auf einem Gemälde, das ich nur aus dem Stein-druck von Strixner kenne, zeigt sanfte Milde. Ausgezeichnetist Christus mit der Dornenkrone in einer Zeichnung Dürersvom Jahr 1510 (in der Sammlung zu Monbijou), auf graugrünemGrund mit weissen und schwarzen Federstrichen meisterhaftausgeführt. Hier ist der Ausdruck ebenso geistig als edel undnähert sich jenem, den wir in dem Veronicabild der boisseree-ischen Sammlung bewundern; der Kopf ist, wie bei einem