DIE SAGE A r OM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. ] 87
Taube schwebt. Hier ist Gottvater mit dem heiteren, in jugend-licher Schönheit strahlenden Antlitz des Bildes von Edessadargestellt. Auch Johann von Eyck hat ihn in diesem Sinneaufgefasst (Waagen S. 243), nicht als Greis mit langem Bart, wiePhilipp Lippi (f 1458), Perugino, Raphael, Michelangelo, Andreadel Sarto, Albrecht Dürer und andere ihn gemalt haben. Eheich weiter gehe, will ich eine Bemerkung einschalten.
Auf den ältesten Kunstwerken erscheint Christus immer,selbst auf dem Wege zu dem Tode und am Kreuz mit unbe-decktem Haupt. Nur zuweilen trägt er als Herr des Himmels(vgl. goldene Schmiede Einl. XL VII, 15—13) eine Krone, wie 161z. B. auf dem schon angeführten byzantinischen Gemälde indem Berliner Museum (III, No. 15), auf jenem zu Florenz vomJahr 1003, auf einer Krönung der Jungfrau in der boissereeschenSammlung, auf einem Reliquienkästchen im Vatikan (Platner inder Beschreibung von Rom 2 b , S. 380). Auch als criucesfürste,wie er bei den Dichtern des Mittelalters genannt wird (goldeneSchmiede XL VII, 14), hat er zuweilen die königliche Kroneauf dem Haupt, z. B. auf einem alten, aus Holz geschnitztenCrucifix, das aus Norwegen in das Berliner Museum gekommenist. Aber die Dornenkrone, das Zeichen der Erniedrigung undVerspottung, von der doch die Evangelisten (Matth. 27, 29.Joh. 19, 2. 5) ausdrücklich reden, welche aber die älteren Künstlerals unvereinbar mit der Göttlichkeit scheinen betrachtet zu haben,zu welcher Zeit ist sie von der Kunst aufgenommen worden?Wenn ich von dem geschnittenen Stein der Gnostiker (obenS. 154. 155), wo man die Stacheln der Pflanzen als Dornendeuten könnte, auch hier, und ich glaube mit doppeltem Recht,absehe, nicht eher als im dreizehnten Jahrhundert, und wahr-scheinlich erst am Schlüsse desselben. Damit stimmt zusammendass, soviel ich mich erinnere, unter allen deutschen Dichterndes Mittelalters bis zum vierzehnten Jahrhundert Wolfram dereinzige ist, der ihrer, und zwar in seinem letzten, zwischen1215—1220 gedichteten Werk, in dem Wilhelm von Orange,Erwähnung thut. Er sagt 166,2.3 der ame kriuze het dendorn üf dem houpte zeiner kröne, und 357, 28 der den dummenkränz ame kriuce üf hete, den ruhen huot. Er kannte die