Druckschrift 
3 (1883)
Seite
185
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. Ig5

den Maler Guillelmus und gibt das Jahr 1138 an. Unverkennbarist der Typus, wenn auch schon veredelt. Christus blickt hier,am Kreuze hängend, mit himmlischer Ruhe aus offenen Augen:menschlicher Schmerz hat ihn nicht berührt, weil er als Gottihn nicht empfindet (vgl. Conrads von Würzburg goldeneSchmiede 16521665. Silvester 41484161). In Paris wirdein mit Bildnissen aus vergoldetem Silberblech ausgeziertesKästchen bewahrt, in welchem früher ein Armknochen Carldes Grossen lag; ich kenne es nach Gipsabdrücken, welchemir mitzutheilen Herr von Olfers die Güte gehabt hat. DasKunstwerk gehört in die Zeit Kaiser Friedrichs I, der wieseine Gemahlin Beatrix (f 1185) darauf abgebildet erscheint.Das Brustbild Christi, von einem Heiligenschein und dem by-zantinischen Kreuz umgeben, zeigt den Typus, die lange Nase,das gescheitelte Haar und einen kurzen Bart: doch Magerkeitist nicht angedeutet; mehr lässt sich bei der ziemlich rohenArbeit nicht sagen. Während die anderen Bildnisse lateinischeInschriften haben, deuten hier die bekannten Kürzungen IHCund XPC die griechische Abstammung an. Ein Kreuz vonvergoldetem Erz in dem Berliner Museum ist sichtbar byzan-tinische Arbeit und mag spätestens in das dreizehnte Jahr-hundert gehören: leicht ist es älter, da Christus mit vier Nägelnan das Kreuz geheftet ist und Walther von der Vogelweidein einer Stelle, die ich nachher anführen werde, schon vondreien (bei über einander gelegten Füssen) spricht. Der todteHeiland hat einen ernsten aber ruhigen Ausdruck: das überder Stirne gescheitelte Haar fällt in langen Windungen zurSeite herab: der Bart ist kurz, die Länge der Nase vermehrtdie Magerkeit des Gesichts. Auf der anderen emaillierten Seitedes Kreuzes befindet sich in der Mitte ein Medaillon mit demKopf Christi, aber des lebenden: derselbe Typus, doch ohneMagerkeit. Dass hier die Hoheit im Gegensatz zu der Er-niedrigung am Kreuz soll dargestellt werden, zeigt wohl dieumlaufende Inschrift MAGESTAS. Hiermit stimmt ein Christus-kopf, den ich über dem Eingang zu dem westlichen Theil desDoms in Naumburg gesehen habe; er gehört etwa in die Mittedes dreizehnten Jahrhunderts, wenn er nicht älter ist. Unver-