184 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
Gedicht von Veronica (oben S. 129 [148]) angegeben und in derHelmstädter Urkunde (oben S. 140 [159]) abgebildet. Nicephorussagt, das Haupthaar sei lang gewesen, weil kein Scheermesserdarüber gekommen sei, auch keine menschliche Hand ausserder Hand seiner Mutter während der Kindheit. Sein Gesichtsei nicht rund gewesen, sondern, wie bei seiner Mutter, läng-lich und sanft geröthet, aber die Farbe wird, in Überein-stimmung mit Johann von Damascus, »gelbbraun wie dasWaizenkorn« genannt. Sein -Ausdruck erhaben, sinnig, vollSanftmuth und grosser Ruhe.
Diese Beschreibungen treffen in allen wesentlichen Punktenmit dem noch erhaltenen, oben (S. 150 [171]) näher beschriebenenBild der Abgarussage zusammen. Dies ist der durch das ganzeMittelälter, bei gewiss niemals völlig unterbrochener Kunstübung,festgehaltene byzantinische Typus in seiner schönsten Aus-bildung, in .dem, wie es mir scheint, das Orientalische nochsichtbar ist. Er weist auf die ältesten, vorhin angeführtenDenkmäler bis in das fünfte Jahrhundert zurück, und nur inder Darstellung auf dem alten Gefäss von Elfenbein finde ichkeinen Zusammenhang damit. Zu Anfang des achten Jahr-hunderts gab es viele von Menschenhänden gemachte Nach-ahmungen des Bildes zu Edessa, deren Papst Gregor II in demBrief an Leo den Isaurier gedenkt (s. Gretser cap. 5); nichtwenige mögen in dem Bildersturm des achten und neuntenJahrhunderts untergegangen sein.
Wir sind dem Typus bis zum zehnten Jahrhundert gefolgt,ich will jetzt die Kunstwerke der nächsten Zeit betrachten, inwelchen er noch fortdauert, bis wir zu dem Punkt gelangen,wo er zu erlöschen beginnt. In einem Bilde des Gekreuzigten,das sich in der Dreifaltigkeitskirche zu Florenz befindet undschon im Jahr 1003 vorhanden war, kann ich ihn nur voraus-setzen, nicht nachweisen, da es an einer Nachbildung fehlt;Richa (notizie istoriche delle chiese fiorentine 3, p. 171) sprichtdavon. Der Heiland trägt auf dem Haupt ein vergoldetesDiadem mit dem Worte LUX. Ausgezeichnet scheint mir einGemälde im Dom zu Sarzana, dessen Rosini (2 b , p. 288) gedenkt162 und das im Anhang Taf. A abgebildet ist. Eine Inschrift nennt