Druckschrift 
3 (1883)
Seite
183
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 1$3

Gestalt mit einem ehrwürdigen Gesicht, das bei denen, die ihnansahen, Liebe und Furcht erwecken konnte. Seine gelockten,ziemlich dunkeln und glänzenden Haare flössen von denSchultern herab und waren in der Mitte nach Art der Nazarenergescheitelt. Die Stirn war glatt und vollkommen heiter, dasGesicht-ohne Kunzein und Flecken, durch sanfte Röthe ver-schönert. Nase und Mund ohne Tadel, der Bart stark undröthlich, nach der Farbe der Haupthaare, nicht lang aber ge-spalten. Die Augen von unbestimmter Farbe und klar (oculisvariis et claris existentibus). Hierauf folgt die spätere Be-schreibung des Nicephorus Callistus (hist. eccl. lib. 1, cap. 40),der in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts lebte.Er beruft sich auf die Überlieferungen der Alten; ohne Zweifelist unter diesen Johannes von Damascus gewesen, denn er hatdessen Ausdrücke beibehalten, allein er mag noch andere Quellenbenutzt haben, weil er Verschiedenes mittheilt, w#s dort nichtvorkommt. Nach Reiske (p. 137), der es aus Valvassor ge-nommen hat, soll Nicephorus dem Mönch Epiphanius (um dasJahr 1190) folgen: aber auch dieser kann aus Johann vonDamascus geschöpft haben. Merkenswerth, dass Nicephorusnicht von zusammengewachsenen Augenbrauen redet, welcherAusdruck bei Johann von Damascus befremdet, da ich dieseunhäufige Eigenthümlichkeit, die der idealen Schönheit nichtangemessen ist, bei keinem Christusbild gefunden habe 1 ). Nice-phorus sagt vielmehr [xsXavias 8s -f £ T <*? ocppu? sT/s, xod ou ttccvoETUxafi/üsT?, und nur wenig gebogen erscheinen die Brauen aller- 161dings auf den alten Bildern. Er legt ihm einen gelblichen,nicht weit herabhängenden Bart bei (ttjv [xsv toi Tpfya xouTTw-füivos cavö-qv xiva stys, xal oux s?s ttoXu xaösi[j.£VTjv); ich möchtelieber »einen röthlichen Bart« übersetzen, wie er in dem Briefdes Lentulus beschrieben wird und in den meisten Abgarus-bildern wirklich vorkommt. Den schwarzen Bart, den Johannesvon Damascus annimmt, finde ich noch in dem lateinischen

*) Ich will hier anmerken, dass der Volksglaube Menschen, denen dieAugenbrauen zusammengewachsen sind, eine eigene Kraft beilegt: sie könneneinen Geist in Gestalt eines Schmetterlings aus diesen Brauen entsenden(deutsche Sagen No. 80).