Druckschrift 
3 (1883)
Seite
182
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182 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.

ich nur zum Theil: daraus aber habe ich Folgendes anzumerken.Eine Handschrift des achten Jahrhunderts zeigt Christus, aufdem Thron sitzend, ganz wie auf den Mosaiken, nur dass erhier ohne Bart dargestellt ist. In einer Handschrift aus derersten Hälfte des neunten Jahrhunderts derselbe strenge Typus:die Haare entschieden roth, der Bart gespalten. Am merk-würdigsten sind aus eben dieser Zeit zwei Bilder, welche dieälteste mir bekannte Darstellung des Gekreuzigten gewähren.Zwar ist der Typus hier etwas milder, aber keine Spur vonSchmerz in den Gesichtszügen: auch ist der Heiland nichttodt, sondern lebend mit offenen Augen abgebildet; von derDornenkrone keine Andeutung. Da die Füsse nicht über ein-ander gelegt sind, so ist er mit vier Nägeln an das Kreuz ge-heftet. Auf dem einen, wo Longinus dem Gekreuzigten denSpeer in die Seite stösst, ist Christus wieder bartlos.

Hier ist der Ort einige merkwürdige Überlieferungen vonder Gestalt Christi näher zu betrachten. Ich führe zuerst die-jenige an, welche sich bei Johannes von Damascus findet,dessen Nachrichten von dem Bild zu Edessa oben vorgekommensind, auf das er sich jedoch hier nicht beruft; er gibt vielmehralte Schriftsteller als seine Quelle an. In seinem Brief nämlichan den Kaiser Theophilus von den heiligen Bildern (opera 1, p. 631ed. Paris 1712) sagt er, Christus sei von Gestalt gross und starkgewesen, habe zusammengewachsene Augenbrauen gehabt, schöne160 Augen, grosse Nase (siuppivos), krauses Haupthaar und schwarzenBart: von Farbe sei er gelbbraun gewesen wie das Waizenkorn(tjtxo^pouc), gleich seiner Mutter: das Haupt etwas vorgebogen.Genauer und ausführlicher ist die Beschreibung in dem Briefe,den Publius Lentulus, angeblich ein Freund von Pilatus, anden Senat zu Rom soll geschrieben haben. Dass er unecht ist,bezweifelt niemand: nach den Untersuchungen von Gabler (vgl.Munter 2, S. 8. 9) kommt er, und zwar in lateinischer Sprache,zuerst im elften Jahrhundert in den Schriften des ErzbischofsAnselm von Canterbury zum Vorschein: allein man darf mitSicherheit annehmen, dass er älteren Überlieferungen folgt undnicht etwa eine eigenmächtige Erfindung seiner Zeit geltendmachen will. Danach war Christus ein Mann von erhabener