180 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
of Italy. London 1842. f. T. 1, Tab. 19. 23. 26. 27). Wennich das Bild in der Kirche des hl. Vitalis zu Ravenna, die amEnde des fünften oder am Anfang des sechsten Jahrhundertserbaut sein soll, wo Christus, auf der Weltkugel sitzend, mitjugendlichem Gesicht und kurzem, nicht herabhängendem Haar,auch ohne Bart, dargestellt zu sein scheint (ich sage »scheint«,denn die Abbildung bei Ciampini 2, Taf. 19 ist so schlecht,dass es sich mit Sicherheit nicht bestimmen lässt): wenn ichdieses Bild ausnehme, so zeigen die übrigen Mosaiken denselbenTypus, den ich bei dem Christuskopf, angeblich aus ConstantinsZeit, eben geschildert habe, der aber vielleicht auch nicht älterist als die übrigen. Auf kleine Verschiedenheiten kommt esnicht an, manchmal ist das hagere Gesicht etwas voller, dasHaar schlichter, der Bart kürzer und weniger oder gar nichtgespalten. Das Ideale wird in dem tiefen Ernst, dem herbenund strengen Ausdruck gesucht, den die ungewöhnliche Länge158 der Nase steigert: in einem Brustbild der Kirche von S. Prassede(Knight 1, S. 27, vgl. Platner in der Beschreibung von Rom 3 b ,S. 247. 248) aus dem Anfange des neunten Jahrhunderts geht erin völlige Starrheit über. Indessen muss man bedenken, dassdie Mosaiken, bei so geringen Mitteln, leicht hart und unge-fällig werden mussten, zumal wenn die Überlieferung in un-geschickte Hände gerieth. Man hat bei Mosaikbildern in Siciliendie Bemerkung gemacht, dass der Christuskopf allein Stil zeigt,die übrigen Gestalten mit grosser Rohheit gezeichnet sind. Einschön erhaltenes musivisches Christusbild auf Goldgrund be-wahrt das Berliner Museum (III, No. 11), das ganz den strengenhageren Typus darstellt, wie das colossale des Meisters Solsernusan dem Dom zu Spoleto vom Jahr 1207 (eine Nachbildungdavon hat Rumohr im Kunstblatt 1821, No. 9, mitgetheilt; vgl.dessen ital. Forschungen 1, S. 323. 333 und Rosini storia dellapitturaitaliana 2 b , p. 288). Auch ein gut gearbeitetes Brustbild mitdem Monogramm Christi auf dem Haupt (bei Munter zweimal ab-gebildet, Taf. 5, No. 14 und Taf. 13, No. 94) gehört wohl hierher.Byzantinische Münzen mit dein Christusbild gewähren denVortheil einer genauen Zeitbestimmung. Sie beginnen mit demEnde des siebenten Jahrhunderts und dauern bis in die Zeitender lateinisahen Kaiser (vgl. Reiske p. 192-206, Munter 2, S.24.25).