178 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
Ich will hier einer Münze gedenken, die man in die ZeitenConstantin des Grossen setzt und auf der man das Bild Christifinden will; man findet sie bei Munter Taf. 5, No. 4. Ist siewirklich so alt und stellt sie Christus dar, was noch sehrzweifelhaft scheint, so ist er auch hier ohne Bart abgebildet.156 Auf späteren Sarkophagen dagegen, die in die Zeit nach
Julian gehören, erblickt man ihn allzeit mit dem Bart. Vonda an wird er nur in einzelnen seltenen Ausnahmen, die ichhernach anführen werde und welche die Regel nicht stören,ohne dies Zeichen der beginnenden männlichen Jahre darge-stellt. Auf jenen Sarkophagen, vorzüglich auf dem aus demCoemeterium des Vatikans, wo Christus unter seinen Jüngernsteht, erscheint er zum ersten Mal in länglichem ernsttrauerndemGesicht, mit einem schlichten, kurzen und dünnen Bart undmit gescheiteltem sanftherabfallendem Haar.
Den Bildhauerwerken entsprechen die erhaltenen gleich-zeitigen Malereien. Die Bilder in dem Coemeterium des heiligenCallistus und der heiligen Priscilla (Munter Taf. 5, No. 9 und 10)gleichen ganz dem Bild auf den späteren Sarkophagen in derForm wie in dem Ausdruck, nur ist der Bart schon gespalten.Später ist das Bildnis aus dem Coemeterium des heiligen Pon-tianus (Munter, Taf. 5, No. 11). Bei sonstiger Übereinstimmungin der äusseren Form mit den vorigen Bildern zeigt sich der Aus-druck doch verschieden, man kann sagen idealer. Das Gesicht istrunder und voller, die menschliche Trauer, die sanfte Milde ver-schwunden, und überirdische Kraft und göttliche Hoheit an dieStelle getreten. Ähnlich ein anderes Bild aus demselben Coeme-terium, einem die Taufe Christi darstellenden Gemälde entnommen(Taf. 5, No. 12), wo nur der Bart länger und mehr gespalten ist.
Möglich dass es auch damals gewebte Christusbilder gab,denn Asterius, Bischof von Amasia im Pontus, der am Endedes vierten und im Anfang des fünften Jahrhunderts lebte,sagt dass fromme Männer und Frauen evangelische Geschichten,wo Christus und seine Jünger erschienen, in Kleider hättenweben lassen (Munter Einl. S. 27).
Wir sind bis dahin gelangt, wo das älteste Zeugnis vondem Dasein des Bildes zu Edessa eintritt, ich meine jenes von