176 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDEE.
Hermogenes, der zugleich gnostischer Philosoph war, deshalbheftige Vorwürfe. Bei Irenäus (f 202 oder 208) finden wir dieältesten Nachrichten. Wir erfahren dass die Gnostiker sowohlgemalte als aus Gold und Silber gearbeitete Bilder von Christusbesassen und vorgaben, Pilatus habe sie zu Lebzeiten Christiverfertigen lassen. Vielleicht war es ein solches Bild, welchesder Kaiser Alexander Severus (reg. 222—235) in seiner Haus-capelle neben Abraham und Orpheus aufgestellt hatte.
In dem vierten Jahrhundert muss der Widerstand gegendie Kunst nachgelassen haben , denn Eusebius (f 340) sagt(hist. eccl. lib. 7, cap. 18), er habe ein in Farben gemaltes BildChristi gesehen. Vielleicht rührte es auch von den Gnostikern,wie Jablonski (p. 401) meint: immer aber mögen die Bilderdamals noch selten gewesen sein. Die Schwester Constantindes Grossen verlangte sehnlich nach einem Bilde Christi undbat den Bischof, ihr ein solches, wenn er es entdecken könnte,zuzusenden. Eusebius tadelte ihr Begehren, weil es unmöglichwäre, das wahre und unveränderliche Bild des Heilandes mitunbeseelten Farben und Umrissen darzustellen (Labbei conc. 7,(p.494). Wenn Augustinus (f 403) sagt (de trinitate lib. 8, cap. 4):nam et ipsius dominicae facies carnis, innumerabilium cogitationumdiversitate, variatur et fingitur, quae tarnen una erat, quaecunqueerat, so scheinen zu seiner Zeit die Christusbilder häufiger, abernoch kein fest bestimmter Typus vorhanden gewesen zu sein.Auch sonst finden sich Anzeigen von ihrem Dasein in dieserZeit, Epiphanius erzählt (im Jahr 368), dass er einen Vorhangin der Thüre einer Dorfkirche in Palästina mit dem gemaltenBildnisse Christi oder eines Heiligen gefunden, aber zerrissenhabe, weil er gegen das Gebot der heiligen Schrift da gehangenhabe.
Soviel erfahren wir aus schriftlichen Nachrichten: wirwollen jetzt die Denkmäler ins Auge fassen, die aus dieserZeit sich erhalten haben.
Voran zu stellen wäre ein geschnittener Stein, der von den
Gnostikern ausgegangen ist, wenn er wirklich hierher gehörte,
wie Jablonski (p. 402—403) annimmt. Er ist bei Munter Taf. 5,
155 No. 3 abgebildet und stellt den Kopf eines todten Mannes dar,