Druckschrift 
3 (1883)
Seite
175
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. J75

eine Stelle bei Jesaias (52, 14) veranlasst, Christus sei kleinund ungestalt gewesen und von niedrigem Ansehen. Origines(f 253) ist der Meinung, Christus habe gar keine bestimmteGestalt gehabt, sondern sei jedem so erschienen, wie es seinBegriff und sein Bestes verlangt habe: man könne sagen, erhabe weder Gestalt noch Schönheit gehabt, sei aber zuweilenin einem so herrlichen und bewunderungswürdigen Zustand er-schienen, dass die drei Apostel, die mit ihm auf dem Bergegewesen, bei dem Anblick seiner Schönheit auf ihr Gesichtniedergefallen wären. Dagegen behauptet der spätere Chry-sostomus (f 407), indem er sich auf Psalm 45, 3. 4 stützt, woes heisst: »du bist der Schönste von allen Menschenkindern«,Christus sei voll der grössten Holdseligkeit gewesen, und wennJesaias ihm Schönheit abspreche, so beziehe sich das bloss aufdie Misshandlung, die er, am Kreuze hängend, ertragen, undauf die Erniedrigung, die er sein ganzes Leben hindurch er-duldet habe. Auch Hieronymus (f 420) sagt, dass Christus indem Gesicht und in den Augen etwas Himmlisches gehabt,aus denen der Glanz und die Majestät der verborgenen Gottheitgeleuchtet habe. Man bezieht es auf alte Überlieferungen derJuden, wenn der Rabbi Abarbanel noch gegen das Ende desfünfzehnten Jahrhunderts behauptet, Jesus sei ein schöner undblühender Jüngling gewesen.

Dieser Widerwille gegen Bilder konnte bei einem Volk,das die Kunst längst gehegt hatte, dem sie ein Bedürfnis war,nicht statt finden: am wenigsten bei den Griechen, die dasChristenthum angenommen hatten. Ihnen war aber die Aus-übung der Kunst streng untersagt, weil man Missbrauch be-fürchtete, und Künstler, die sich mit der Verfertigung vonBildern beschäftigten, sollten wie Leute verabscheut werden,die ein schändliches Gewerbe trieben. Tertullian eifert gegen 154sie. Wer seiner Kunst nicht entsagt hatte, der ward zu derTaufe nicht zugelassen, und in den Bann gethan wer sie her-nach noch trieb. Doch nur bei den katholischen Christen galtdiese Ansicht, nicht bei den Gnostikern und namentlich nichtbei einer Partei derselben, den Karpokratianern (Jablonskip. 394401, Munter 2, S. 16. 17). Tertullian machte dem Maler