Druckschrift 
3 (1883)
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.

meinen Händen, die ich in einem zwar verkleinerten, aber wohlgelungenen, farbigen Steindruck dieser Abhandlung beilege.Es ist ein edles Gesicht mit freier hoher Stirne, hellblickendenAugen, übernatürlich langer und gerader Nase, gescheiteltenHaaren und einem nicht langen, aber starken und dunkeln,etwas röthlichen, gespaltenen Bart; keine Spur von Schmerzdarin, im Gegentheil völlige Ruhe und Klarheit und eine vonallem Portraitartigen entfernte, leidenschaftslose, ideale Schön-heit. Man kann nicht anders sagen als dass es einen gross-artigen Eindruck von Hoheit und Reinheit hinterlässt. Der ganzeKopf, den Bart, so weit er über das Kinn geht (denn von demHals ist nichts sichtbar), ausgenommen, wird von kurzen zartenLichtstrahlen eingefasst, während drei goldene, aus Zieraten151 gebildete Krenzflammen über dem Kopf und auf beiden Seitenhervorragen. Das Bild scheint in das fünfzehnte Jahrhundertzu gehören. Eine, wenn auch gleichzeitige, doch minder gute,mit einiger Ängstlichkeit ausgeführte Nachbildung besitzt dieFamilie des verstorbenen Bürgermeisters Thomas zu Frankfurtam Main. Eine dritte ist die, wovon in Büschings wöchent-lichen Nachrichten (3, S. 61) die Umrisse geliefert sind. Einevierte befindet sich nach der Mittheilung des Herrn ProfessorsKugler in der hermesischen Sammlung zu Trier im Gymnasial-gebäude. Die Umschrift dieser Bilder lässt keinen Zweifel,IMAGO SALVATORIS NOSTRI IESV CHRISTI AD IMI-TATIONEM EIVS QVAM MISIT ABGARO QVAE ROMAEHABETVR IN MONASTERIO SANCTI SILVESTRI. Ichgedenke hier eines Bildes in dem Berliner Museum (III, No. 39),das in das Jahr 1400 gesetzt wird. Es zeigt denselben Typus:der Kopf, wenn gleich auf Goldgrund, ist zugleich, wie dort,mit kleinen Strahlen umgeben: die Haare sind mehr hellröthlich.Der Ausdruck ist minder frei und edel, und in den ein weniggeschlossenen Augen liegt etwas Leidendes. Die Umschriftfehlt. Sie fehlt auch auf dem trefflich ausgeführten Bild desberühmten Johann v. Eyck (Berliner Museum II, No. 26) vomJahr 1438, wovon sich eine Wiederholung in Brügge befindet(Waagen über Hubert und Johann van Eyck 71. 150. 206. 232),welche die Jahrzahl 1420 trägt, aber unecht ist (Kugler Be-