168 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
göttlicher Liebe zu dem Herrn entzündet, schickt Gesandte anihn mit dem Auftrag, ihn zu sich einzuladen. Können sie dasnicht erlangen, so sollen sie ein Gemälde von seinem Antlitzmitbringen. Als der, welcher alles weiss und alles vermag,dies inne wird, nimmt er eine Leinewand, hält sie an seinAntlitz und drückt es darauf ab. So in einer Stelle (de ima-ginibus üb. 1), die sich auf alte Überlieferung stützt. In eineranderen (de fide orthodoxa lib. 4, cap. 17) eine abweichendeErzählung, wobei der mündlichen Sage Erwähnung geschieht.Abgarus schickt nicht Gesandte an Christus, ihn einzuladen,sondern einen Maler, der sein Antlitz nachbilden soll. Alleinder Maler vermag es nicht wegen des Glanzes, der von ChristiAntlitz strahlt. Da hält der Herr seinen Mantel an das gött-liche, lebenschaffende Gesicht und drückt sein Bild darin ab,welches er dann dem Abgarus sendet.
Das Dasein des Bildes zu Edessa bezeugt die zweite imJahr 787 gehaltene nicäische Kirchenversammlung (act. 5), woLeo, Lector der Kirche zu Constantinopel, ein heiliges, nichtvon Menschenhänden gemachtes Bild in jener Stadt gesehenzu haben versichert, das von den Gläubigen sei verehrt undangebetet worden.
Die reichste Auffassung der Sage findet sich in einereigenen Schrift über das Bild zu Edessa und dessen (und desBriefs Christi an Abgarus) feierliche Wegführung nach Con-stantinopel im Jahr 944. Sie ist von dem Kaiser ConstantinusPorphyrogenneta (f 959) verfasst und in dem Manipulus ori-ginum rerumque constantinopolitanarum von Franc. Combefis(Paris 1664 4°) abgedruckt. Als Quelle nennt Constantinschriftliche Denkmäler und mündliche Überlieferungen ausSyrien: er gedenkt zugleich der abweichenden Erzählung desEuagrius.
Abgarus, König von Edessa, von zweifacher Krankheit,von Gicht und Aussatz, gequält und entstellt, hat sich demAnblick der Menschen entzogen. Ananias, einer seiner Diener,148 kommt von einer Reise nach Ägypten zurück und berichtetihm von den wunderbaren Heilungen Christi, den er in Pa-lästina gesehen hat. In der Hoffnung, von seiner Krankheit