166 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
Ich berühre von den übrigen Zeugnissen nur noch die wich-tigeren. Kaiser Friedrich III , als er sich im Jahr 1452 seiner.Krönung wegen zu Rom aufhielt, sah, als Domherr gekleidet(weil er sonst nicht dazu gelangen konnte; vgl. Platner in derBeschreibung von Rom 2, S. 180. 181), das Tuch und berührtees selbst. Im Jahr 1606 ward es, auf Befehl Paul V, in dieneue Peterskirche gebracht, und bei dem Jubiläum 1650 öffent-lich gezeigt. Die Sorgfalt, mit welcher es Urban VIII (f 1644)bewahrt hat, bezeugt eine Inschrift (bei Reiske S. 64). SckefFerzu Haltaus Jahrzeitbuch der Deutschen des Mittelalters (Er-langen 1797) bemerkt (S. 90), dass noch jetzt (ohne Zweifel nuran bestimmten Tagen) von der über einer Bildsäule der Veronicabei dem altare maggiore erbauten Tribüne das auf ein Linnen-tuch eingedrückte Bild von dem blutenden Angesicht des Er-lösers gezeigt werde. Sonst erhalten nur Fremde von fürst-lichem Rang die Erlaubnis es zu betrachten, müssen abervorher zu Titulardomherrn der Peterskirche ernannt werden.
IV.
Ich lenke jetzt die Betrachtung auf eine andere Sage, diewegen ihrer nahen Verwandtschaft mit der Veronicasage weitereAufschlüsse gewährt; ich meine die Legende von Abgarus, dem146 König von Edessa. Gretser hat in der genannten Abhandlungdie darauf bezüglichen Stellen bis zu seiner Zeit mit Fleisszusammengetragen.
Abgarus, unheilbar krank, hört von Christi Wunderthaten,und schreibt einen Brief an ihn mit der Bitte zu ihm zukommen und ihn gesund zu machen. Christus erwidert ineiner schriftlichen Antwort, er selbst könne nicht kommen, weiler vollbringen müsse, weshalb er gesendet sei: aber nach seinerHimmelfahrt solle einer seiner Jünger kommen und ihn heilen.Thomas sendet zu der bestimmten Zeit den Apostel Thaddäusnach Edessa. Dieser kehrt bei Tobias ein, heilt Kranke undthut Wunder. Als Abgarus davon hört, fordert er den Tobiasvor sich und verlangt den Fremden aus Jerusalem zu sehen.Beide begeben sich zu ihm. Als Thaddäus eintritt, leuchtetvon seinem Antlitz ein starker Glanz (so verstehe ich in Rück-