DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 165
In einer Urkunde vom Jahr 1011 werden die clerici S. Mariaein Beronica genannt, und auf den Thüren von Erz an demBehälter, in dem das Tuch bewahrt wurde, befand sich dieInschrift Coelestinus papa III fecit fieri hoc opus pontificatussui anno VII Christi MCXCVII. In beiden Stellen kommtalso der Ausdruck sudarium nicht vor. Zwar bringt Bzovius(S. 245) aus einem alten Martyrologium noch die Worte con-secratio altaris sacrosancti sudarii bei, allein wir erfahren nichtsNäheres über das Alter dieser Handschrift und wissen nichtsüber die Zeit des Werkes selbst. Innocenz III (f 1216) redetbloss von einem Bildnis Christi, ebenso Honorius III imJahr 1224. Matth. Paris (f 1259) nennt es effigies vultusdomini, quae Veronica dicitur: Papst Nicolaus IV (im Jahr 1290)sui pretiosissimi vultus imago, quam Veronicam fidelium voxcommunis appellat. In einem Hymnus (Reiske S. 74, Actasanctorum p. 452), der, wenn er nicht älter ist, wenigstens indiese Zeit gehört, heisst es: salve sancta facies nostri redemptoris,in qua nitet species divini splendoris, impressa panniculo nivei 145candoris, dataque Veronicae signum ob amoris, was sich ambesten auf das heitere, göttliche Antlitz deuten lässt, zumal, wiewir vorhin gesehen haben, eine deutsche Übersetzung dieserWorte mit jener Darstellung in dem Gebetbuch vom Jahr 1415verbunden ist. Nach Bzovius Hess Papst Bonifacius VIII dasTuch im Jahr 1297 aus der Heiligengeistkirche in die Peters-kirche (aber dort befand es sich schon nach der vorhin ange-führten Stelle unter Johann VII) bringen und zeigte es miteigenen Händen dem Könige Jacob von Arragonien und Carlvon Neapel, verordnete auch dass es an bestimmten Tagen demVolk sollte gezeigt werden. Bzovius nennt es sanctum Christisudarium ejus imagine non manufacta insigne, aber dieser Aus-druck mag von ihm herrühren. Es lässt sich aus den Wortender bisher erwähnten Zeugnisse mit Sicherheit nicht abnehmen,welche Gestaltung der Sage gemeint sei. Wenn aber Urban V(f 1370), Sixtus IV (in einer Bulle vom Jahr 1482) und späterePäpste von dem sudarium salvatoris nostri reden, das unter denReliquien der Peterskirche zu Rom sich befinde, so muss dasauf ein Bild mit dem schmerzvollen Antlitz bezogen werden.