164 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
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Heiland, der das Kreuz trägt, das Tuch vor, das den Abdruckseines Gesichts erst noch empfangen soll, dagegen auf einemdritten vom Jahr 1514 erblicken wir das Bildnis auf dem Tuch,das Petrus und Paulus halten.
Ob unter den Veronicabildern in Frankreich, Spanien undDeutschland, welche die Acta sanctorum nachweisen, sich ältereals die von mir angeführten befinden, muss ich dahin gestelltsein lassen: wahrscheinlich ist es aber nicht.
Zeugnisse über das Dasein des Tuchs zu Rom, die Jac.Grimaldo im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts unter Paul V(vgl. Bunsen in der Beschreibung von Rom 2, S. 59) aus altenQuellen gesammelt hat, stellen Bzovius annal. ad a. 1216,Gretser Cap. 17, die Acta sanctorum 4. Febr. §. 6 und ReiskeS. 72—75 zusammen. Das älteste fällt in den Anfang desachten Jahrhunderts. Nach Grimaldo errichtete Papst Johann VIIim Jahr 705 in der Peterskirche vor der Kapelle der JungfrauMaria ein Tabernakel zur Bewahrung des Schweisstuches derVeronica. Diese Nachricht enthalten die Acta sanctorum, aber144 auch Bunsen (Beschreibung von Rom 2, S. 81. 102) theilt sie,wahrscheinlich aus dem handschriftlichen Nachlass Grimaldos,mit, und aus diesem rührt auch wohl die hinzugefügte Be-nennung ciborio del sudario oder del volto santo. Bunsen be-merkt dass der Altar unter dem Tabernakel mit dem Namendes Papstes Johann noch vorhanden sei. Wir müssten wissen,ob der Ausdruck »Schweisstuch« von Grimaldo, der ihn derzu seiner Zeit geltenden Auffassung der Sage gemäss mag ge-braucht haben, herstammt, oder ob er in einer alten Quellewirklich vorkommt. Nur im letzten Fall würden wir ein Zeugnisvon dem Dasein des leidenden Antlitzes in jener Zeit besitzen.Ich mache darauf aufmerksam, dass Anastasius, der Bibliothekar,der im neunten Jahrhundert lebte, da, wo er von der Aus-schmückung jener Kapelle in der Peterskirche durch Johann VIIredet (de vitis pontificum romanorum 1, p. 156 ed. Rom. 1718),nichts von dem Tabernakel mit dem Tuch der Veronica sagtund ein nicht von Menschenhänden gemachtes Bild Christi,dessen er bei Stephan III (1, p. 198) gedenkt, nicht, wie ichunten ausführen werde, ein Veronicabild kann gewesen sein.