DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. J63
welchem das Bildnis mit der grünen Dornenkrone und mit dentypischen aber entschieden schmerzlichen Zügen erscheint.(Oben darüber die Jungfrau Maria mit dem Christkind überdem halben Mond und dabei die Worte: o iunckfraw mariapit got für vns; unten das bairische Wappen und das Wappen 143der Stadt München, nämlich ein Mönch.) Das schöne Veronica-bild von Schoreel (f 1562), das in dem städelschen Museum zuFrankfurt a. M. aufbewahrt wird, zeigt gemässigten mensch-lichen Schmerz. Dagegen jene ausgezeichnete Darstellung inder boissereeschen Sammlung, die Goethe (Kunst und Alter-thutn 1, S. 156—158) als eine niederrheinische bezeichnet, strebtsichtbar nach dem Ausdruck des tiefsten menschlichen Schmerzesund erreicht diese Wirkung auf die edelste, eindringlichsteWeise. Die Dornenkrone, von welcher Blutstropfen herab-fallen, ist breit und stark. Die ganze äussere Form der Über-lieferung, selbst die unverhältnissmässige Länge der Nase istbeibehalten. Sichtbar hat auch Albrecht Dürer den Typus zuGrund gelegt und ihn nur der Naturwahrheit näher gebracht.Ich kenne drei Veronicabilder von ihm. Ein Holzschnitt inder kleinen Passion vom Jahr 1510 stellt die Frau zwischenPaulus und Petrus dar. Christi Antlitz zeigt einen mensch-lichen, doch nicht heftigen Schmerz. Auf einem Kupferstichvom Jahr 1513 halten zwei Engel das Tuch, und auf dem Bildist mehr Ernst als Schmerz sichtbar. Endlich auf dem grossen,kühn in Holz geschnittenen Blatt, wo das Tuch von niemandgehalten, sondern mit Nägeln angeheftet ist und das wohl be-stimmt war aus der Ferne betrachtet zu werden, ist ein zustarker und zu wenig veredelter Schmerz ausgedrückt, als dassman ihn ohne ein peinliches Gefühl betrachten könnte. Immerist noch etwas Grossartiges in dem Ganzen, aber das Bild stehtschon an der Grenze des gemein Menschlichen, das die Kunstniemals suchen sollte. Dieser Auffassung nähert sich, dochmit einem etwas veredelten Ausdruck, ein schöner Holzschnittvon Hans Burgmair, wo Veronica in halber Gestalt das Tuchhält. Lucas von Leiden steht mit Dürer in Behandlung diesesGegenstandes ziemlich auf gleicher Stufe. Auf zwei Kupfer-stichen vom Jahr 1515 und 1521 hält Frau Veronica dem
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