Druckschrift 
3 (1883)
Seite
162
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162 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.

doppelte Reichsadler. Neben dem Christuskopf steht Salve XPIund effigies sacerria.) In dem Antlitz ist der byzantinischeTypus, so wie er sich in dem Gebetbuch von 1514 zeigt, ganzdeutlich, nur dass ihm ein schmerzhafter Ausdruck gegebenist. Die Dornenkrone selbst fehlt, aber es rinnen doch Bluts-tropfen über die Stirne und aus den Augen. Auf einer Kreuz-tragung von einem Schüler Israels von Mockenem (in derboissereeischen Sammlung) hält Veronica das Tuch, auf demman das sanft leidende Antlitz erblickt: die Dornenkrone istauch hier weggelassen, aber die Spuren, die sie der Stirne ein-gedrückt hat, sind deutlich zu sehen.

Von den Veronicabildern mit der Dornenkrone nenne ichzuerst eine treffliche Auffassung voll Geist und Gefühl, die ichin einer Seitencapelle des Doms zu Gelnhausen gefunden habe.Über das Alter des Bildes weiss ich nichts Bestimmtes zusagen, vielleicht gehört es noch in das fünfzehnte Jahrhundert;die Kirche selbst ist im Anfange des dreizehnten erbaut. Diegöttliche Heiterkeit besiegt hier noch den Schmerz. Ein Bildvon Raffaellin del Garbo (f 1524) in dem Berliner Museum(III, No. 87) stellt den todten, von einem Engel gehaltenenHeiland dar. An dem Steinsarg hängt das Tuch der Veronica.Die Dornenkrone ist nur leicht bezeichnet: in den Gesichts-zügen liegt keine Trauer. Auf einem anderen Gemälde(II, No. 50), das mir in den Anfang des sechszehnten Jahr-hunderts zu gehören scheint und der westphälischen Schulebeigelegt wird, ist die Kreuzigung vorgestellt. Während Christusin Todesblässe mit dem Ausdruck des Schmerzes am Kreuzhängt, erblickt man unter dem versammelten Volk Frau Veronica,welche das Tuch ausbreitet. Zwar trägt Christus die Dornen-krone, aber es ist ein schmerzloses Antlitz mit gesunden frischenFarben, wie es sich auf dem Weg nach dem Tode nicht konnteabgedrückt haben. Hier gedenke ich eines noch unbekanntenHolzschnittes, der in dem Exemplar, das ich (in der Sammlungzu Monbijou) gesehen habe, in Farben roh ausgemalt war undder allen Anzeigen nach in das Ende des fünfzehnten oder inden Anfang des sechszehnten Jahrhunderts gehört. Wiederumsind es Petrus und Paulus, die das viereckige Tuch halten, auf