Druckschrift 
3 (1883)
Seite
161
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. Ißl

beweglichkeit. Ähnlich sind einige ziemlich gleichzeitigeMetallstiche: auf einem ist der Christuskopf des Tuchs durchweisse Striche auf schwarzem Grunde gebildet, auf dem anderenhält Veronica, zwischen den Aposteln Petrus und Paulus stehend,das Tuch, auf dem dritten steht Petrus allein neben ihr. Etwasbesser ist ein vierter, Veronica mit dem Tuch allein. Einroher Holzschnitt, vielleicht in die zweite Hälfte des fünfzehntenJahrhunderts gehörig (er hat oben und unten vier ZeilenSchrift), stellt bloss das Kreuz dar, an dessen beiden ArmenGeissei und Ruthe hängen, während in der Mitte der Stockmit dem Schwamm und der Speer angelehnt sind; aber zwischendiesen beiden Stäben ist das Veronicatuch ausgebreitet. Vonkünstlerischem Werth, wie sich von selbst versteht, ist einkleiner Kupferstich von Martin Schön (f 1486), Veronica mitdem Tuch, in ganzer Gestalt. Hier ist der Typus sanft ge-mildert. Ein verspätetes Bild dieser Art findet man in einemKupferstich von Daniel Hopfer, einem Schüler Albrecht Dürers,wo zwei Engel zur Seite stehend, einer unten sitzend, dasTuch halten, auf dem der Typus in kalter Auffassung erscheint:wohl blosse Nachahmung eines älteren Vorbildes. Ich merkenoch ausdrücklich an, dass in den bisher beschriebenen BildernChristus immer ohne Dornenkrone und ohne den Ausdruck desLeidens dargestellt wird. Wie es sich mit einem Kupferstichvom Jahr 1466 verhält, den Bartsch (le peintre graveur 6, 31.No. 82) anführt, weiss ich nicht, da er mir nicht zu Gesichtgekommen ist und aus der Beschreibung davon nichts erhellt.Die übrigen Veronicabilder, die zu sehen ich Gelegenheitgehabt habe, gehören sämmtlich der späteren Gestaltung derSage an, d. h. Christus hat die Dornenkrone auf dem Haupt:und wenn auch in einzelnen Fällen der schmerzlose Ausdrucknoch erhalten ist, so ist doch der leidende vorherrschend undsteigert sich im Fortgang der Zeit immer, mehr. Einen Über-gang bildet ein Holzschnitt, den man, weil in der Gestalt undBekleidung der Veronica, die das Tuch hält, etwas von A. DürersZeit zu liegen scheint, seinem Schüler Hans Burgmair zuge-schrieben hat, der aber wahrscheinlich älter ist. (Oben auf der 142einen Seite ist das päpstliche Wappen, auf der anderen der

W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. III. 1 1