Druckschrift 
3 (1883)
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CIIRISTUSBILDER.

lieh gesagt, dass es im Jahr 1415 sei geschrieben worden. DasBild nimmt Blatt 15 rw. ein, gegenüber Bl. 16 vw. steht »Godgruisse dich aensichte des ewige goides sone onses uerlossers.In wilchen blencket die ghedeente (getaene, Gestalt. Fund-gruben 1, S. 373. Wernher v. Niederrhein 14, 7) des gotlichenschijns. In ghedrucket in enen snewitten doegelken. Ind wartgegeuen veronice in eyn tzeichen der liefden«. Dies ist, wiewir späterhin sehen werden, die wörtliche Übersetzung einesalten lateinischen Kirchenliedes. Auch hier hält nicht Veronica,sondern ein Engel mit beiden Händen ein weisses Tuch aus-gebreitet, das, weil es zu beiden Seiten hinaufgezogen ist, nichtviereckig erscheint, sondern halbrund und am Rand lillaröthlicheVerzierungen hat. In der Mitte das Bildnis Christi in goldenemHeiligenschein, von den beiden Armen und der Spitze desschwarz eingezeichneten, griechischen Kreuzes umgeben. Esist das göttliche, ruhige, schmerzfreie Gesicht ohne Dornen-krone, das den älteren Darstellungen der Legende angehört.Die Nase ist lang, das Haar, das schlicht zur Seite herabhängt,starkröthlich, der kurze Bart gespalten. Vom Hals ist nichtssichtbar, und das ganze Gesicht von dünnen Lillastrahlen ein-gefasst. Also völlig das, was ich hernach als byzantinischenTypus bei der Abgarussage bezeichnen werde. Das Bildchenist zart gemalt und verräth Kunstfertigkeit und Schule. ImKleinen ist dieselbe Darstellung wiederholt als innere Verzierungdes Anfangsbuchstaben G Bl. 50 vw. Vielleicht enthielt dashandschriftliche Gebetbuch auf der Bibliothek zu Wolfenbüttel,das Reiske p. 75. 76 beschreibt, ein gleiches Bild, zumal auchdie vorhin angeführten Worte, nur hochdeutsch, hinzugefügtsind. Hieran schliessen sich einige seltene und merkwürdige141 Blätter mit dem Veronicabild aus der ersten Zeit der Holz-schneide- und Metallstichkunst, die sich in der königlichenSammlung zu Monbijou befinden. Einer von den Holzschnittengehört sogar noch in den Anfang, ein anderer etwa in dieMitte des fünfzehnten Jahrhunderts; beide sind von der rotestenArbeit. Veronica hält das Tuch. Auch in diesen groben Um-rissen, bei aller Entstellung der Züge, ist der Typus noch er-kennbar; kein Schmerz drückt sich aus, nur eine starre Un-