DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. ]53
und werde Jesus genannt. Die Frankfurter Handschrift fügthinzu: sin angesiht daz ist gar minneclich: swer ez ane siht mitinnekeit, der freuwet sich. Tiberius vernimmt die Erzählungder Jungfrau und befiehlt dem Philosian (Philosion Hildesh.Hs. Philosius Frankf. Hs.) hinzureisen, Gold und Silber nichtzu sparen und den Arzt herbeizubringen. Philosian fährt mitBegleitung ab, braucht aber ein ganzes Jahr zu der Reise. DieJuden erschrecken, als er mit der Fahne des Kaisers landet,empfangen ihn aber feierlich. Pilatus sagt ihm, der Meister,den er suche, sei gekreuzigt worden. In einer langen Unter-redung, wobei Pilatus und die Juden sich gegenseitig die Schuldzuschieben, wird der Hergang ausführlich erzählt. Philosiangeräth darüber in Zorn. Longinus, der blinde Ritter, derwieder sehend ward, sagt ihm, dass ein armes Weib von edlerAbkunft, Veronica genannt, ein Tuch besitze, auf welchem sichdas Antlitz Jesu befinde: keines Menschen Hand habe es ver-fertigt (etwas Näheres wird nicht gesagt): wer siech sei undes mit Vertrauen anblicke, der werde gesund. Veronica wirdherbeigeholt. Sie will das Tuch nur zeigen, wenn Philosianmit seinem Gefolge barfuss zu ihr gehe. Als er mit Gesangin feierlichem Zuge kommt, holt sie das Tuch aus ihrer Ladeund zeigt es ehrerbietig; es ist viereckig und von weissemLinnen. Veronica begibt sich mit dem Tuch auf das SchiffPhilosians, der die Juden verflucht und den Pilatus ange-schmiedet mit sich führt. In acht Tagen langen sie schon aufder Tiber an, so schnell ist der Rückweg im Gegensatz zu derlangen Hinfahrt. Philosian stattet dem Kaiser Bericht ab.Veronica zeigt dem Volk das Tuch, das sie in beiden Händenhält. Dann tritt sie aufs Land, wo alle knien und sie zu demPalast des Kaisers geleiten, der in Qualen auf seinem Betteliegt. Sie drückt das Tuch auf sein Gesicht (daz tuoch leitesie im üf daz angesiht vor den munt): von Stund an ist ergesund und frisch wie ein Knabe. Tiberius lässt sich taufen, 135und Pilatus wird in die Tiber versenkt.
Man sollte meinen, hier wäre das Gedicht zu Ende, auchendigt es wirklich in der Frankfurter Handschrift. Aber indem Druck wie in der Hildesheimer Handschrift folgt noch