Druckschrift 
3 (1883)
Seite
149
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 149

von Pilatus hingehalten. Eines Tages, als sie umher wandeln,redet sie eine Frau an, und als sie vernommen hat, in welcherAbsicht sie gekommen sind, sagt sie: »ihr sucht vergeblich denhimmlischen Arzt, Pilatus hat ihn kreuzigen lassen, aber nachdrei Tagen ist er wieder auferstanden und gen Himmel ge-fahren; seinen Jüngern hat er die Macht verliehen Kranke zuheilen. Ich habe ihn von Herzen geliebt und ihn um ein An-denken gebeten, denn er hat oft den seinigen verkündigt, erwerde am Kreuz sterben und zu der Rechten seines Vaterszurückkehren. Er nahm also mein Tuch (276 telam quam fortetenebam lesen einige Handschriften, die anderen quam frontegerebam) und drückte es an sein Gesicht: alsbald sah ich mit 131Erstaunen sein Bild darauf abgedrückt, seinen schwarzen Bart,seine leuchtenden Augen. »Dieses Andenkens«, sprach er zumir, »halte ich dich würdig, bewahre es in Ehren, denn esheilt alle Kranken«. »Ich will«, setzt die Frau hinzu, »damitihr nicht vergeblich gekommen seid, mit euch nach Rom gehen,wenn ihr mir sichere Rückkehr versprecht. Glaubt euer Königan den Sohn der reinen Jungfrau, so ist er geheilt in demAugenblick, wo er das Bildnis anschaut«. Die Abgesandtenwilligen ein und verkündigen dem Pilatus ihre Abfahrt. Ersagt ihnen: »der, welchen ihr sucht, hat die Juden verachtetund gegen die römischen Gesetze gehandelt; ich habe ihn des-halb kreuzigen lassen«.

Sie eilen mit der Frau (deren Namen im ganzen Gedichtnicht genannt wird) nach Rom und statten Bericht ab. Titusgeräth in Zorn und droht dem Pilatus mit dem Tod, aber dieFrau sagt, er möge sich beruhigen, wenn er an Christus glaube,so werde alsbald die Krankheit weichen. Titus glaubt, und wie erdas Bild anschaut, wird seine Haut rein. Auch Vespasian kommtund verkündigt dass er auf ähnliche Weise sei geheilt worden.

Der Rückkehr der Frau gedenkt das Gedicht nicht, auchnicht der Zerstörung Jerusalems, sondern es führt gleich dieSage von Pilatus weiter.

Mit dieser Darstellung stimmt, soweit ich urtheilen kann,Conrad v. Muer, der um das Jahr 1273 schrieb. Von ihmspricht Hottinger de origine scholae Tigurinae. app. 135.