148 DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER.
werden vertrieben und über alle Welt zerstreut: man gibtdreissig für ein Ei (wahrscheinlich aber ist 28, 22 zu besserenumbe einen pfenninc).
5. Ich lasse ein lateinisches Gedicht folgen, das Mone(im Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1835,130 S. 425—433. 1838, S. 530 — 531) bekannt gemacht hat. Ichkann über das Alter desselben nichts Bestimmtes sagen: dieälteste von den vier bekannt gemachten Handschriften gehtnicht über das vierzehnte Jahrhundert hinaus, jedoch ist esnicht bloss möglich sondern wahrscheinlich, dass es noch inWernhers Zeit reicht, da zwei Handschriften mit einer prosa-ischen gleichfalls lateinischen Erzählung der Sage, von welcherhernach noch besonders die Rede sein wird, in das zwölfteJahrhundert gehören, wenigstens nach Mones Versicherung.Die Sage ist hier mit einer anderen von Pilatus verflochten,die ich jedoch nur soweit es zum Verständnis nöthig ist be-rühre.
Nach Christi Tod herrschen Titus und Vespasian über dasrömische Reich. Jener hat zu Rom seinen Sitz, dieser imAbendland. Titus ist aussätzig, Vespasian hat die Nase vollWespen; beide suchen bei den Ärzten vergeblich Hilfe. Siehören dass Christus jeden Kranken gesund mache, und Titusverlangt von Pilatus durch Abgesandte, er solle diesen Arztalsbald herübersenden. Als Pilatus diesen Befehl vernimmt,geräth er in Furcht und bittet die Abgesandten ihm einigeFrist zur Überlegung zu gönnen, weil er hofft, die Gefahr durchGeschenke abzuwenden. Aber die Boten, welche seine Ge-schenke nach Rom überbringen sollen, werden durch Sturmnach Spanien verschlagen. Auf der langen Fahrt von da nachRom gelangen sie zuerst zu Vespasian. Sie erzählen von denWundern Christi, aber auch von seinem Tod, zu dem ihnPilatus verurtheilt habe. Vespasian geräth in Zorn, und indem Augenblick, wo er Rache gelobt, schwindet der Schmerzin der Nase, und er ist von seiner Krankheit geheilt. Auchdas Volk, über die unerwartete Genesung des Königs erfreut,treibt zur Rache. Titus soll sie ausführen.
.Indessen werden die römischen Abgesandten zu Jerusalem