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3 (1883)
Seite
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 145

und Entstehung dieses Bildes zu sagen. Auf seine Bitte zeigtsie ihm das Bild, will es aber nicht aus Händen geben, sondernfährt mit ihm, der zugleich den Pilatus gefesselt fortführt, nachRom, wo Tiberius von dem blossen Anschauen des Bildes ge-heilt wird; die Würmer fallen todt zur Erde. Tiberius leistetjetzt auf das Heiligthum einen Eid, die Stadt, wo der Herrsei gemartert worden, zu zerstören. Er sendet also den Vespa-sianus und dessen Sohn Titus mit einem grossen Heer ab, undnun nahet die Zerstörung Jerusalems, welche der Heiland vor-aus verkündigt hatte. Titus lagert vor der Stadt, in welcherHungersnoth ausbricht. Eine Frau, deren Mann erschlagenwar, tödtet, nachdem sie drei Tage Hunger gelitten hat, ihreigenes Kind und setzt es denen vor, welche, weil sie denSchornstein hatten rauchen gesehen, in ihr Haus eingedrungenwaren. Es folgen noch einige Ereignisse, die hier nicht inBetracht kommen. Vespasianus und Titus stürmen Jerusalemund zünden es an allen vier Enden an. Weiber und Kinderwerden verbrannt, die Männer aber gebunden und in fremdeLänder verkauft je dreissig um einen Pfennig.

4. Wernher vom Niederrhein, ein Geistlicher, der indas letzte Viertel des zwölften Jahrhunderts zu gehören scheint,hat die Sage in zwei Gedichte vertheilt.

Veronica ist «ine treue Anhängerin Christi. Wenn siesein Antlitz erblickt, so wird sie von Freude erfüllt. Siebringt ein Tuch zu Lucas, inständig bittend dass er ihr dasAntlitz des Herrn male: er sei ein Meister und habe ihn oftgesehen. Lucas verspricht ihn zu malen, wie er heute ausge-sehen habe. Als das Bild fertig ist, freut er sich und meint,es sei ihm gelungen. Beide gehen und suchen den Heilandauf, als ihn aber Lucas anblickt, so ist sein Antlitz ein ganz 128anderes, als hätte er ihn nie gekannt. Beide erstaunen, undVeronica trauert. Lucas tröstet sie mit dem Versprechen, einanderes Bild zu malen, aber es misslingt noch mehr. Er ver-sucht es zum dritten Mal, doch, wie zuvor, vergeblich. Jetzterhört (verhörde 5, 26 wie 3, 21, vgl. Grammatik 2, S. 856857)Gott die Bitte der Frau, und als der Heiland sie erblickt,spricht er: »Lucas, du und die gute Frau Veronica, ihr geht

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