Druckschrift 
3 (1883)
Seite
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DIE SAGE VOM URSPRUNG DER CHRISTUSBILDER. 143

vieles ihm noch Unbekannte erfahren. Tiberius befiehlt demVolosianus hinzureisen und einen Jünger des Heilands aufzu-suchen, damit er komme und ihn gesund mache. Dann solleVolosianus die jüdischen Könige verurtheilen, wie sie Christumverurtheilt hätten, und sie alle zu Tode martern. Wenn erden Mann bringe, der ihn herstelle, so wolle er an den Heilandals den Sohn Gottes glauben und sich taufen lassen. Volosianusfragt, welchen Lohn er diesem Manne verheissen solle. »Seier wer er sei«, erwidert Tiberius, »so soll er nach mir Kaiserwerden«.

Volosianus schifft ab und landet am achten Tage. Erbescheidet alle, die den Herrn gekannt haben, zu sich, damitsie von ihm erzählen. Zuerst kommen Joseph von Arimathiaund Nikodemus, dann die Frau Veroni'x. Er verlangt, dass sieihm das Heiligthum, das sie besitze, übergebe. Sie leugnetzuerst, dass sie es besitze, gesteht aber endlich, dass es in ihrerSchlafkammer verschlossen liege, und holt es herbei. Volosianus,überzeugt dass es das Antlitz Christi und das Kleid sei, daser getragen habe, fällt nieder und betet es an. Dann wickelt 126er es in ein golddurchwirktes Linnen, legt es in ein goldenesGefäss, versiegelt es mit seinem Ringe und betheuert, dass eres nicht wieder^schauen wolle, bevor er zu Tiberius, seinemHerrn, gekommen sei und ihm berichtet habe. Nachdem erden Pilatus zu schimpflichem Tod verurtheilt hat, geht er zuSchiffe. Veronix will ihr Heiligthum nicht verlassen und fährtmit ihm nach Rom. Als er auf der Tiber angelangt ist, be-gibt er sich nach der Stadt Lateran und sendet Boten anTiberius, der ihn sogleich zu sich beruft und das Antlitz desHeilands zu sehen verlangt. Volosianus zieht das Tuch ab, inwelches es eingewickelt ist. Gläubig erkennt Tiberius das Ant-litz des Heilandes und betet es an: alsbald fällt der Aussatzvon ihm ab, und sein Leib wird so rein als der Leib einesKindes. Tiberius, seine Familie und sein Volk empfangen dieTaufe.

2. Bei Marianus Scotus (Hb. 1, p. 550 Pistor) wirdFolgendes erzählt.

Kaiser Tiberius, mit dem Aussatz behaftet, sendet Boten