122 ZUR LITTERATUR DER RUNEN.
richtig, denn es finden sich keine Kanten daran, und die Flächeist bei einigen nur gerade soviel geebnet, als nöthig war, Figurund Runen einzugraben. Nichts war natürlicher, als die Ver-muthung des Herrn von Hagenow, dass sie gleichfalls aus derSammlung des verstorbenen Sponholz gekommen seien, und erzog an dessen Wohnort, Neubrandenburg, wo er konnte undwo einiges Licht zu hoffen war, Erkundigungen ein. Untermanchen, zum Theil ungereimten Angaben war auch eine, wor-nach Sponholz selbst bei eigenen Nachgrabungen diese Alter-thümer gefunden und noch vor seinem Tode nach Neustrelitzabgeliefert hatte. Doch es war blosse Sage, niemand wussteetwas Gewisses. Als Herr v. Hagenow späterhin von einemgegenwärtig zu Waren im Mecklenburgischen ansässigen Bürger,Namens Boye, hörte, der ehedem als Gehülfe bei Sponholz ge-wesen sein sollte, so verfolgte er diese Spur und schickte seineAbbildungen der Runensteine dorthin, indem er zugleich eineReihe von Fragen beilegte, die er von Boye beantwortet wünschte.Die Aussagen, die zurückkamen, waren vollständig und voll-kommen klar. Sponholz hatte die Steine, welche Boye in der Ab-bildung erkannte und deren Anzahl er sich sogar erinnerte, theilsauf dem Prilwitzer, theils auf dem Neuenkircher, theils auf demStargardter Felde, also immer in der Nähe des alten Rhetra, zu-gleich mit vielen anderen Geräthschaften in aufgegrabenen Hügelngefunden. Sie hatten unmittelbar bei den Urnen gelegen, dichtaneinander, die Inschrift nach oben. Kurz vor dem Tode desEigenthümers wurden sie in das Museum nach Neustrelitz abge-geben. Herr von Hagenow hat die löbliche Genauigkeit gehabt,das ganze in Fragen und Antworten abgefasste, mit Siegel undUnterschrift bekräftigte Notariatsinstrument abdrucken zu lassen.Einige Fragen betrafen die Götzenbilder, die Antworten be-stätigten das Bekannte. Unter andern sagte Boye aus, Spon-holz habe mit seinem Bruder, dem Goldschmied, wegen derväterlichen Erbschaft in Spannung gelebt, was allerdings zurEntkräftung des oben angedeuteten Verdachts dienen kann. ImAnhang noch ein Brief von Boye mit genaueren Bestimmungenüber die Fundörter der Runensteine. Da nach seiner Angabein zwei Gräbern jedes Mal drei Steine lagen, so dürfte man darin