Druckschrift 
3 (1883)
Seite
123
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ZUR LITTERATUR DER RUNEN. 123

die Regel vermuthen. Boye redet endlich nochmals von kleinen,wie Vögel gestalteten Figuren, deren er in den früheren Aus- 36sagen vor dem Notar schon gedacht hatte und die sich gleich-falls in der Sponholzischen Sammlung sollen befunden haben.Inzwischen bat Herr v. Hagenow nichts davon in Strelitz be-merkt, es mtisste denn Radegast mit dem Vogel auf dem Kopfeoder die kleine Figur No. 21 bei Masch gemeint sein. Boyeselbst hat bei einer Aufgrabung in der Gegend von Warenausser den Runensteinen auch Münzen in einer kleinen Urnegefunden, deren Verlust im französischen Kriege um so mehr zubedauern ist, als sie aller Wahrscheinlichkeit nach über das Zeit-alter des Grabhügels immer einigen Aufschluss gegeben hätten.Die Beweiskraft, die in den klaren, unzweideutigen Aus-sagen dieses Zeugen liegt, der allerdings wohl unterrichtet seinkann, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden. Inzwischenwer die Geschichte der Täuschungen kennt, die mit angeblichalten Denkmälern schon stattfanden und häufig gar nicht aufrohen und groben Betrug oder auf Geldgewinn ausgiengen,sondern aus einer gewissen, im eigentlichen Sinne blinden Liebezum Alterthume entsprungen, manchmal bis zu unbegreiflichemSelbstbetrug sich steigerten, der wird die Bemerkung nichttadeln, dass Aussagen von jemand, der kein Gehülfe und Ar-beiter des verstorbenen Sponholz gewesen, noch überzeugendersein würden, oder den Wunsch ungerecht finden, dass ein an-derer, als eben Sponholz, die Runensteine möchte ausgegrabenhaben, damit seine Sammlung nicht die einzige Quelle allerdieser Alterthümer bliebe. Seltsam, fast unglaublich scheint derMangel an allen Nachrichten in dem Museum zu Strelitz selbst,es pflegen doch Empfangscheine ausgestellt und Verzeichnissedes Erworbenen aufbewahrt zu werden. Sollte man nicht mehrwissen, was man vor nicht sehr langer Zeit (1796) erst erhaltenhat? Warum sagt Potocki nichts davon, der 1794 die ganzeSammlung sah und diese Runensteine doch wohl eines Blickes,einer Bemerkung gewürdigt hätte? Oder sind sie erst nachheraufgefunden, in den letzten zwei Jahren? Eins jener Gräberwurde doch nach Boyes Brief im Jahr 1793, also vor PotockisBesuch, geöffnet. Boye legte dem Notar ausser einigen Stücken