118 ZUR LITTERATÜR DER RUNEN.
der Nähe des Dorfes Prilwitz, da wo sonst das alte llhetrastand, gefunden, blieben sie etwa achtig Jahre lang verborgenund waren durch Erbschaft bereits in die Hände eines drittenBesitzers, eines gleichnamigen Verwandten des ersten EntdeckersSponholz, gelangt, als etwas davon verlautete. Selbst Masch,der sie zuerst bekannt machte und die Sache mit grossem Eiferbetrieb, hat nicht alles gesehen, und erst 21 Jahre später, durchPotocki, kam das Übrige an den Tag. Dass ein Bruder jenesSponholz, der mit ihm in einem Hause wohnte, Goldschmied32 war, hat manchem kein gleichgültiger Umstand geschienen, wozudie neuerdings wiederholte Nachricht (vgl. Göttinger Anz. 1825S. 518) von der Verfertigung kleiner Götzenbilder durch einenMecklenburger Goldschmied kam. Abgesehen hiervon erregendiese Vorstellungen slavischer Gottheiten selbst mancherlei Zwei-fel. Durch alle Rohheit, die ihnen anklebt, dringt doch hinund wieder eine Erinnerung an antike Form oder ein feinererZug: wer könnte das z. B. in Fig. 26 und 27 bei Masch ver-kennen? und ist der Berstuk (Waltschrat) Fig. 32 nicht einemantiken Satyr nachgebildet, mit dem er allerdings auch in derBedeutung übereinkommt? Manches Einzelne befremdet einunbefangenes Auge. So ist anstössig, dass an der Figur derSieba (No. 15) das Gesicht fein ausgearbeitet ist, der ihr aufdem Kopf sitzende, ziemlich natürlich gebildete Affe Sinn fürZeichnung und eine gewisse Ausbildung voraussetzt, währenddas Übrige der Gestalt, Hände und Füsse, im höchsten Gradeungeschickt und plump sind; die Muthmassung, zu welcher dervon Natur kritische Masch sich genöthigt sieht und wornachmehrere Künstler an diesem einen Götzenbild mussten gearbeitethaben, ist in jeder Hinsicht unwahrscheinlich.
Auf der anderen Seite sind sämmtliche Bedenklichkeitendoch der Art, dass die Echtheit gar wohl dabei bestehen kann,und in der Form, überhaupt in der eigenthümlichen Beschaffen-heit dieser Denkmäler muss etwas Überzeugendes liegen, wasdie Betrachtung der bisherigen Abbildungen freilich nicht ge-währen kann, weil, so viel ich weiss, noch jeder, der sie miteigenen Augen gesehen, für ihre Echtheit sich entschieden hat.In dieser Hinsicht ist von Gewicht, dass ein Kenner von ge-übtem Blick und reicher Kenntnis der Kunstwerke aus den ver-