ZUR LITTERATÜR DER RUNEN. 117
dänischen Eunensteine. Eigenthümlich und merkwürdig ist da-bei der Umstand, dass sie nicht aussen über den Gräbern, son-dern in der Erde über den Todtenurnen liegend sind gefundenworden. Der dritte Stein ist in Liljegreens und Brunnius Nor-diska Fornlemningar No. 45 abgebildet, aber da ein Theil derInschrift zu Grunde gegangen, schwer zu enträthseln. Sie läuftabermals von der Rechten zur Linken.
12) SLAVISCHE RUNENSTEINE.
Bekannt ist eine gegenwärtig zu Strelitz im grossherzog-lichen Museum aufbewahrte Sammlung slavischer Götzenbilderund Geräthe mit Runeninschriften. Von einem grossen Theilderselben hat ein ehrenwerther Gelehrter, der KonsistorialrathMasch, die Abbildungen von Daniel Wogen, die für die da-malige Zeit (1771) durch Sorgfalt sich auszeichneten, nebstgründlichen und fleissigen Erläuterungen herausgegeben. Später-hin hat Graf Potocki alles, was zu seiner Zeit vorhanden war(1794), namentlich was Masch noch nicht kannte, zwar demCharakter nach treuer*), doch mit geringerer Sorgfalt auf dasEinzelne abgezeichnet und bekannt gemacht. Im Jahre 1820liess der verstorbene Martin Friedr. Arendt einen Bogen mitErklärungen der Inschriften drucken, die, auf seine Weise ab-gefasst, mehr zu enthalten scheinen, als man bei näherer Be-trachtung darin findet, wenigstens wer nicht Lust hat, seinenAussprüchen unbedingt Glauben beizumessen, wird wenig darauslernen. Herr Professor v. Schröter hat ein Prachtwerk ange-kündigt, welches in Farben ausgemalte, höchst genaue Nach-bildungen enthalten soll, dessen Erscheinung wir noch ent-gegensehen.
Manches Bedenkliche ist in der Geschichte der Auffindungund Erhaltung dieser Alterthümer **). Schon am Ende dessiebzehnten Jahrhunderts zufällig beim Aufgraben der Erde in
*) [? Jacob Grimm.]
**) [Levezows Abhandlung [über die Achtheit der sogenannten ObotritischenRunendenkmäler zu Neu-Strelitz] in den Berichten der Berliner Akademie[1834]. Lisch schreibt (Schwerin 14. Nov. 1841): Über die Strelitzer Götzen-bilder verhandeln wir noch immer. Falsch sind sie alle, jedoch habeich eines neuer, freilich ganz anderer Art aufgefunden, jedoch davon in Zu-kunft mehr. Späterer Zusatz im Handexemplar von W. Grimm.]