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3 (1883)
Seite
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106 ZUR LITTERATÜR DER RUNEN.

haben, so würden wir doch etwas wieder zurückzugehen ge-nöthigt sein. Alles erwägend, entfernt man sich wohl am wenig-sten von der Wahrheit, wenn man, einen Mittelweg einschlagend,annimmt, in dem achten Jahrhundert seien diese gothischenÜberreste niedergeschrieben worden.

Eine Übersicht der aus ihrer Entdeckung gewonnenen Re-sultate fügt sich hier am schicklichsten an.

1) Die Denkmäler der gothischen Sprache sind bisher nurin Italien gefunden worden, wo sie während der gothischenHerrschaft von dem Ende des fünften bis in die Mitte dessechsten Jahrhunderts entstanden; der Cod. Arg. so gut, wieder Gruelferbyt. ist italienischen Ursprungs. Nachher wird mannicht mehr Gothisch geschrieben, noch weniger an Vervielfälti-gung des Ulfilas gedacht haben. Nun erscheint ein Kodex dergothischen Bibel oder, wenn ich richtig vermuthet habe, zweimitten in Deutschland, ein Paar Jahrhunderte später, und seineSprache wird von einem deutschen Gelehrten mit Aufmerksam-keit betrachtet, während zu derselben Zeit die Mönche im KlosterBobbio die gothischen Werke reskribierten.

2) Dieser deutsche Kodex war vollständiger, als es diebis dahin in Italien bekannten sind, er enthielt namentlichdie Bücher Moses, deren Übersetzung keinem Zweifel mehrunterliegt.

3) Wir lernen, dass Ulfilas bei seiner Arbeit die Septua-ginta zu Grund legte.

4) Eine Kenntnis des gothischen Alphabets in seiner eigen-thümlichen Ordnung sowie des gothischen Zahlensystems istdurch Aufzeichnung und Wiederholung in Handschriften bis insneunte Jahrhundert überliefert worden; wahrscheinlich nochlänger.

5) Wir vernehmen zum ersten Male die Namen der go-thischen Buchstaben, freilich in seltsamen und dunklen Formen,aber Werth verleiht ihnen das gothische Element, das sie ver-rathen, sowie eine sichtbare Verwandtschaft mit den angel-sächsischen Runennamen; diesen stehen sie näher, als dennordischen, wo nur die 16 alten Runen benannt wurden.