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3 (1883)
Seite
104
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104 ZUR LITTERÄTUR DER RUNEN.

zunicken, wie es ja auch sehr zweifelhaft ist, ob die marko-mannischen Runen von Hraban selbst sind verzeichnet worden,ohngeachtet sie in wenigstens fünf Handschriften seiner Werkestehen; von den sogenannten Isidorischen Runen ist es sogargewiss, dass sie nicht von dem spanischen Bischof herrühren.Ferner, da Alcuin erst in seinem fünfzigsten Jahre von Englandherüber an den Hof Karls des Grossen kam, so würde er kaumalthochdeutsche, sondern eher angelsächsische Formen über diegothischen Zeilen geschrieben haben. Endlich spricht dagegen,was ich sogleich näher ausführen will, dass nicht alles Gothischevon einem und demselben herzurühren scheint, sondern zwei,vielleicht drei, beigetragen haben.

Der, welcher die Stellen aus dem neuen Testamente, diegrammatischen Bemerkungen und die Zahlen hinschrieb unddas Althochdeutsche zur Erläuterung zufügte, wollte sich einiger-massen mit dem Gothischen bekannt machen. Ihm lege ichauch das Alphabet bei, das ich das grössere genannt habe; erhat es aus demselben Kodex des Ulfilas gezogen, das glaubeich, weil die Buchstaben dieselbe Gestalt haben und in denEigenthümlichkeiten oder Abweichungen von dem Gewöhnlichen,die hernach noch einmal sollen aufgezählt werden, überein-stimmen; dann, weil der Deutsche die ihm allein geläufige la-teinische Ordnung befolgte. Er setzte auch das leicht verständ-liche Wort XAUS oben hin und die griechische Übersetzungdarunter.

Von dem zweiten rührt das Alphabet mit den Kursivbuch-staben, welches ich das kleinere genannt habe. Er kannte diei9 gothische Ordnung und behielt sie bei; seine Quelle war aber-mals der Ulfilas, das schliesse ich aus den beiden Worten, dieer über das Alphabet setzte und wovon wenigstens FRAUJAausser Zweifel ist. Sie sind aus dem alten Testament genommen,wenn die Vermuthung mit THIUDANS richtig. Die Schreib-fehler in diesem Worte und überhaupt die flüchtigere Schriftdeuten auf einen geringeren Kodex und auf eine spätere Zeit.Er trug auch die Varietäten neben das grosse Alphabet einoder fieng vielleicht damit seine Arbeit an, bis er die ungothischeOrdnung bemerkte und nun das ganze Alphabet hinstellte. Er