Druckschrift 
3 (1883)
Seite
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ZUR LITTERATUR DER RUNEN. 99

liegen. Ist es wirklich ein X, und als stehendes Kreuz wirdes allerdings in den beiden Alphabeten bezeichnet, so löst sichTHO vorne ab und kann nur das pronom. demonstr. sein, ent-weder der acc. sing. fem. oder nom. und acc. pl. neutr. XASaber müsste soviel als XAUS, den gen. christaus, bedeuten,und Thö christaus soviel als: was Christus gebührt, wie thöguths und thö kaisaris, Mark. 12, 17. Luk. 20, 25. Nur kannich keine solche Stelle in der Bibel auffinden, und auch jeneAbkürzung XAS ist bisher noch nicht aus dem Ulfilas bekannt.Eine andere Vermuthung hebt diese Schwierigkeiten, hat abermit neuen zu kämpfen. Darnach ist es kein X, sondern ein T,dessen mittlerer Strich durch Zufall oder Schuld eines Ab-schreibers oben hinausgezogen wurde. Auf diese Weise liestman THOTAS, und, indem man wie öfter den Querstrich obenein ausgelassenes N bezeichnen lässt (Büsching S. 192, nurfreilich fehlt bis jetzt das Beispiel in diesem Worte selbst):THÖTANS. Dies halte ich nun für das gothische THIUDANS,rex, mit zwei Fehlern geschrieben: 0 für IU und T für D;indessen könnte 0 als das althochdeutsche 10 betrachtet werden,welches dem gothischen IU entspricht, sowie T für D als regel-mässige Lautverschiebung, wobei freilich vornen TH sich nichtverändert. Im alten Testament ist der Ausdruck 6 xupio; 6ßaaiXsu; sehr häufig, und davon wäre fräuja thiudans die rich-tige gothische Übersetzung.

Das letzte Wort in dieser Zeile ist vollkommen deutlich:XAUS, eine Abkürzung für Christaus, die nicht selten im Ul-filas sich findet und wovon eine Abbildung in der dritten Probeder Mailänder Handschriften steht. Das Merkwürdigste andiesem Worte scheint mir darin zu liegen, dass es nicht mitden vorhergehenden aus demselben Kodex stammt, oder wenndiese Behauptung zu bestimmt lauten sollte, dass hier ein an-deres Alphabet sich unterscheiden lässt. Nicht nur hat das Xeine liegende Stellung, wie in den bekannten Codices des Ulfilas,sondern das A und S sind anders, als in dem vorhergehenden,gebildet und stimmen mit den gewöhnlichen, in dem grossenAlphabet verzeichneten Formen überein. Absondern soll esvielleicht ein Perpendikularstrich in dem anstossenden S, wie

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